Gastbeitrag

Computerleben
© Conny Fischer 2007 – Alle denkbaren Rechte bei der Autorin

Computerleben von Conny Fischer
Was halten sie vom computeranimierten Leben? – Na, find ich toll, so. Kann man ja wieder löschen, wenns nicht hinhaut. Tut auch keinem weh. Ist glaub ich auch billiger, auf Dauer. – Dann ist das Leben also eine Kostenfrage? – Nun, das muss man mehrschichtig betrachten. Es gibt ja auch emotionale Kosten, die im computeranimierten Leben ja doch nicht so ganz intensiv sind wie im richtigen Leben. Dann natürlich die Lebenserhaltungskosten, wissen Sie, ein Computer muss halt weder fressen noch scheißen, da wechselt man alle paar Jahre mal ne Leuchtdiode aus, und das wars dann. – Nun, das ist aber jetzt auch sehr pauschal geurteilt, finden Sie nicht? – Ja vielleicht, aber das ist ja grad das. Wir befinden uns doch auch gerade in einem Computer, in einem Labtop um genau zu sein, und unser Dialog findet innerhalb eines plastenen Gehäuses statt. Wir sind nicht mal akustisch vernehmbar. – - Na hörn sie mal! – Ja eben, ich hör sie eben nicht, ich gebe Antworten, obwohl ich nicht mal existiere, verstehen sie? Ich meine: Ich denke, und doch bin ich nicht. – Das ist unmöglich, wertes Gegenüber. – Oh nein, alles, was man in Worte fassen kann, ist ja auch irgendwie möglich, nicht wahr? – Sie meinen, Sie existieren, weil Sie in Worte gefasst werden? – Hab ich das so gesagt? Ich meine, in unsrer Welt sind ja allein die Worte schon eine Illusion. Ich glaube, wie bestehen ganz einfach aus einem ganzen Haufen von Nullen und Einsen. – Ach, Sie sind doch wirklich ein Spinner. Ich würde sagen, sie sind die Null, nach dem närrischen Zeug zu urteilen, das sie hier von sich geben!!! – Oh, das ist ja nicht meine Schuld, ich bin doch das Von-Sich-Gegebene. Genauso wie Sie, auch Sie sind etwas Von-Sich-Gegebenes. – Sagen Sie, wollen Sie mich beleidigen? – Niemals, das könnte ich ja auch gar nicht. Das ergibt sich doch schon aus dem, was ich Ihnen soeben mitteilte.

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