Norbert W. Schlinkert: Ankerlichten oder: Des Herrn Daubenfußes Rache (Roman). Kapitel 8: Der Gehülfe

Norbert W. Schlinkert: Ankerlichten oder: Des Herrn Daubenfußes Rache (Roman)*

Kapitel acht:

Der Gehülfe

Der dritte Prediger schickt auch dieses Mal keinen Boten mit einer Nachricht, sondern geht selbst hinaus zum Hof. Er ist gewissermaßen im Auftrag des Schichtmeisters Thorbecke unterwegs, der immer noch einen Gehilfen sucht und sich an die Geschichte mit Cara und Heinrich erinnert hatte. Da er mit Leinen und anderen bäuerlichen Waren handelte, benötigte er einen Burschen, der es ohne weiteres mit den Linnewebern und Bauern aufnehmen konnte, und da Heinrich, wie der Prediger sagte, nicht nur kräftig geworden war, wie er es kaum für möglich gehalten hätte, sondern sogar lesen und schreiben konnte, wollte er diesen und keinen anderen. Doch ob Heinrich zustimmen würde, war mehr als fraglich, das wußte der Prediger nur allzu gut, ja er war sogar sicher, ihn als den mißmutigen, mehr oder weniger armen Tropf vorzufinden, wortkarg und verschlossen, als den er ihn kannte. Ich werde aber mein Bestes tun, denn für Heinrich wäre solch eine Stelle ein Glücksfall sondergleichen, dachte der Prediger, während er über den steinhart gefrorenen Weg ging. Vor gut einer Woche hatte es eine fast frühlingshafte Episode gegeben, aller Schnee war weggeschmolzen, worauf dann aber wieder leichter Frost eingetreten war.

Die Schmerzen in seinem Bein ließen jetzt immerhin langsam nach, während er heute morgen noch gedacht hatte, keine zwei Schritte gehen zu können. Der Medicus faselte in letzter Zeit von einer Methode, die daraus bestand, Baumrinde um das Bein zu wickeln und feucht zu halten, so zöge man die Substanzen aus dem Fleisch, die die Schmerzen verursachten. Wenn’s denn hilft, hatte er dem Stutzer geantwortet, der daraufhin sogar anderntags mit einem Buch herangelaufen gekommen war, in dem die Heilung beschrieben wurde. Sobald es ein wenig wärmer sei, wolle er mit der Behandlung beginnen. Wie er den Kerl kannte, würde der dafür aber einiges berechnen wollen – dem konnte man nicht kommen mit dem Gotteslohn, der ihm einst zukommen würde, ja hatte er ihm nicht sogar ins Gesicht hinein gesagt, das Himmelreich und der Glaube an den Jüngsten Tag sei alles nur steinalte Überlieferung, Miß- und Afterglaube! Der Prediger spürte, wie die Wut wieder in ihm aufstieg, denn wer weiß, vielleicht lag er jedem Kranken in Schwerte mit solch Heidengeschwätz in den Ohren. Doch er war nunmal der einzige Arzt in der Stadt, das war vorderhand nicht zu ändern. Er atmete tief die kalte, frische Luft ein. Nun muß ich aber, dachte er, das ist wichtig, Heinrich überzeugen, in das thorbecksche Haus einzutreten, das wäre für alle ein Gewinn.

Eine Magd, die eben dabei war, mit einem langen Stecken im Brunnen herumzustaken, zeigte nur stumm auf die Scheune, aus der Hämmern zu hören war. Er fand Heinrich eben dabei, von oben einen Keil in das Querstück eines Tisches hineinzutreiben, die fertige Tischplatte stand schon bereit. Seid ihr nun unter die Tischler gegangen, begrüßte ihn der Prediger, und wie überrascht war er, als Heinrich lächelnd aufblickte. Zwar ging auch ein Anflug von Sorge über sein Angesicht, doch als er hörte, er solle Gehilfe eines Kaufmanns in Schwerte werden, beim Schichtmeister Thorbecke nämlich, der ihn, den Prediger das Angebot zu überbringen beauftragt habe, lachte er und sagte, das würde wohl nicht das Schlechteste auf Erden sein. Trotzdem hielt der Prediger, so überrascht er auch war, die ganze lange Rede, die er sich, Heinrich zu überzeugen, zurechtgelegt hatte. Er zählte also all die Vorzüge des Kaufmannsstandes auf, die da seien das Reisen zu fremden Orten, das gute Geld, das sich verdienen ließe, den guten Stand, der einem wackeren Kerl auch eine gute Frau einbringen mußte, ja womöglich könnte einer, der von der Pike auf das Gewerbe lerne, in späteren Jahren ein eigenes Geschäft eröffnen, ein Haus bauen und viele Kinder haben. Er mußte aufpassen, nicht zu übertreiben, doch da Heinrich aufgeräumt und gutmütig zuhörte, wurde auch ihm ganz hoffnungsvoll, so daß er auch noch einiges über den Schichtmeister selbst und seine Frau und Tochter hinzufügte. Am Ende sagte er noch, damit die Bäume nicht in den Himmel wuchsen, es sei natürlich trotzdem eine schwere Arbeit, die so ein Kaufmannsgehilfe zu verrichten habe, er würde viel lernen müssen, um ein guter Gehilfe werden. Die Sache war also ausgemacht, sie gaben sich fast schon feierlich die Hand, bevor sie dann den Bauern suchen gingen.

Mit diesem jedoch war die Sache nicht so einfach, er war eben ein typischer Bauer, von schwachem Verstand und ohne jeden Skrupel auf seinen Vorteil bedacht. Er habe, so krakeelte er mit quietschiger Stimme, zwei Knechte im November entlassen, sie kämen erst im April zurück, wenn überhaupt, kurz gesagt, ohne Heinrich ginge es nicht, er werde ihn nicht entlassen, da könne kommen, wer wolle. Erst wenn die Buchen die ersten Blätter zeigten und der Flachs ausgesät sei, könnte man unter Umständen darüber reden. Das sei sein letztes Wort in dieser Angelegenheit. So erfuhr Heinrich zum ersten Mal in seinem Leben eine gewisse Wertschätzung, sogar gleich doppelt, denn nun buhlten zwei Seiten um ihn. Der Prediger marschierte also, nachdem er Heinrich versprochen hatte, in der Sache nicht nachzulassen, mit einigen Würsten bepackt nach Schwerte zurück, mußte aber dem Schichtmeister eine schlechte Nachricht überbringen. Der jedoch machte sich anderntags in aller Herrgottsfrühe selbst auf den Weg und kaufte dem Bauern kurzerhand und für einen guten Preis sämtliches im Winter hergestellte Tuch ab, das Heinrich auch gleich, als letzte Diensthandlung für den Bauern und als erste für den Kaufmann, auflud.

Heinrich bekam im thorbeckschen Haus in der Kötterbachstraße eine kleine Kammer unter dem Dach angewiesen, wurde neu eingekleidet und schließlich, da war er noch keine Stunde im Haus, in die Schreibstube gesteckt. Der Meister wies ihn an, Kopien so manchen Schriftstückes herzustellen und legte ihm einen ganzen Stapel neben das Schreibpult. Zeig einmal, was Du kannst, sagte er, dem Jungen auf die Schulter klopfend, und daß ich keinen Tintenklecks finde und kein verdorbenes Blatt! Heinrich machte sich also an die Arbeit, denn hier konnte er zeigen, was er gelernt hatte. Doch wenn er glaubte, er könne seine Zeit in der Stube verbringen, so hatte er sich getäuscht, denn bald schon, kaum daß Thorbecke das Haus verlassen hatte, stand des Meisters Frau in der Tür und nahm ihn mit zur Feldarbeit vor den Toren der Stadt, wo er mit der Tochter des Hauses, einige Jahre älter, den fast noch gefrorenen Boden aufzulockern hatte. Außerdem mußte eine mannshohe Mauer ausgebessert werden, die im Winter teilweise umgestürzt war. Da bin ich nun, so dachte er, über die vielen kleinen, armseligen Parzellen blickend, doch irgendwie vom Regen in die Traufe geraten. Emilia, die einzige Tochter neben zwei Söhnen, die aber nicht mehr im Hause sondern in weit entfernten Städten als Kaufmannsgehilfen lebten, gab ihm, nachdem sie ihn eine Weile unfreundlich beobachtet hatte, gleich mal ihre Ansichten zur Familie zum besten, wobei die Mutter schlechter wegkam als der Vater, der wenigstens gelegentlich ein gutes Wort an die Menschen richte und auch mal den Herrgott einen guten Mann sein ließ, wenn es darum ging, ein wenig Freude ins Leben zu lassen.

Als es dunkel wurde an diesem ersten Tag, war es aber der Meister, der ihn zurück in die Schreibstube holte, denn dort sei genug zu tun, er solle nicht rasten und ruhen, bis er ihm erlaube, sich zu Bett zu legen. Gleich an diesem ersten Abend kam dann auch noch Emilia zu ihm auf die Stube geschlichen, er solle bald schon für sie einen Brief schreiben, aber grad so, als habe sie ihn geschrieben, und den müsse er dann zu dem Sohn des Schulzen von Haus Villigst bringen. Niemand aber, setzte sie hinzu, darf das erfahren, sonst mach ich Dir die Hölle heiß und brate Dich am Spieß! Heinrich versprach Stillschweigen, was blieb ihm übrig, und schrieb auch sofort, trotz seiner Müdigkeit, den Brief nach Emilias holprigem Diktat. Es waren zum Glück nur wenige Zeilen, in denen es um ein versprochenes Rendezvous ging. Dann legte er sich auf sein Lager, zog die Decke bis übers Kinn und schlief sofort ein, seit einer ganzen Weile zum ersten Mal, ohne an Adam Bernd und seine Rachepläne zu denken.

So kam es, daß Heinrich in seinen ersten Wochen als Kaufmannsgehilfe die Feldarbeit nicht zur Zufriedenheit der Hausherrin erledigte, zugleich aber Schreibarbeit zu verrichten übrig blieb, was wiederum den Meister in Rage brachte. Nur Emilia schenkte ihm hier und da mal ein Lächeln. Seine Fähigkeiten, sich unbemerkt heranzuschleichen und selbst geflüsterte Worte besser zu hören als jeder andere, kamen ihm in seiner neuen Stellung auch nicht mehr zugute, obwohl man hier weder davon wußte noch von seinem Spitznamen Daubenfüßer oder Herr Daubenfuß. Natürlich wurde auch bei Thorbeckes manches unter vier Augen gesprochen, und er bekam auch einiges mit, wenn er in der Schreibstube Abschriften verfertigte oder des nachts oben in seiner Kammer auf seinem Strohsack lag, doch war eben dies nicht von besonderer Bedeutung, da es ihm ohnehin erzählt wurde, meist von der Tochter während irgendwelcher Arbeiten im Haus oder auf dem kleinen Acker. Selbst als der Meister seine Frau beschlafen wollte und diese, wie sie wohl gesagt hatte, die Luke dichtmachte, wußte das am nächsten Tag das ganze Haus, samt aller Aufträge bringender oder Waren abholender Kunden. Der Meister selbst erzählte es wieder und wieder, als sei es ein Scherz. Ich habe ja auch kein Kind zeugen wollen, prustete er, denn das kann Gott nun nicht mehr von mir verlangen und auch der Deibel nicht! Darauf genehmigte er sich jeweils einen Schnaps, nicht ohne alle Anwesenden, selbst seine Tochter, dazu einzuladen, so daß der Tag nach dieser Angelegenheit fast wie ein Fest begangen wurde. Die Hausherrin konnte indes über solche Reden nicht lachen, sie zog sich, tief gekränkt und beschämt, mit strenger Miene zurück, ohne ein Wort über ihren Gatten zu verlieren, doch Heinrich sah ihr an, wie sehr es sie ekelte. Er hörte sie in den Tagen danach spät noch, stockend und mit langen Pausen zwischen einzelnen Sätzen, geistliche Texte lesen, die ihm bekannt vorkamen. So blieb die Liebschaft Emilias mit Caspar, des Schulzen Sohn, das einzige Geheimnis im thorbeckschen Haus. Heinrich mußte mehr als einmal, wenn er mit dem Marktwagen unterwegs war, ein Brieflein überbringen. Der Splint, den Engelbert auf dem Weg zwischen den Ruhren hatte liegenlassen, fand sich nicht mehr dort, und ob man Knu an Ort und Stelle verscharrt hatte, war nicht ersichtlich. Ein aus Ästen gebundenes Holzkreuz, das üblicherweise an solchen Orten zu finden ist, war auch nicht zu sehen. Vielleicht hatten ihn ja auch die Raben gefressen!

Ein Frauenzimmer muß schreiben und lesen könnte, sagte Thorbecke, denn wie oft sind die Männer auf Reisen oder gar im Krieg, da tut es not, wenn die Frau eine Feder halten kann. In dieser Art begann alle paar Tage der Streit zwischen den Eheleuten. Thorbecke erklärte dann schließlich immer seine Frau für zu dumm zum Lesen und Schreiben und befahl Emilia mit strenger Miene, es nicht an Übung fehlen zu lassen. Heinrich solle ihr helfen, ja ein Vorbild könne sie sich an ihm nehmen, das sagte er oft. Tatsächlich konnte Emilia nicht einmal einfache Rechnungen fehlerfrei ausfertigen, während Heinrich durch die tägliche Übung die Feder immer besser und sauberer führte. Über Fehler ärgerte er sich selbst am meisten. Auch wurde seine Schrift immer ansehnlicher und schöner, er hielt viel darauf, einen eigenen Stil herauszubilden, den er selbst bei banalsten Schriftstücken, bei Bestandslisten oder ähnlichem, anwendete. Für Emilias Briefe an Caspar verwandelte er ihn sogar ins Feminine, und für sie fand er auch passende Verse in den Büchern, die in der bescheidenen Bücherstube in den Ecken lagen, und manches schrieb er dergestalt umgedichtet auf, daß ein junges Mädchen es durchaus an ihren Geliebten schicken kann. Sie setzte dann nur noch ihren Namen darunter, den immerhin konnte sie galant aufmalen, bevor sie den Brief sorgfältig versiegelte und ihm treuhänderisch übergab, nicht ohne ihn dabei entweder bezaubernd anzulächeln oder böse anzustarren, je nach Laune. Bilde Dir bloß nichts ein, zischte sie ihn aber meistens an, für einen wie Dich ist wohl schon eine Magd zu gut. Zu anderen Stunden machte sie ihm dann wieder schöne Augen, auf dem Acker band sie den Rock höher als nötig und bückte sich tief, wenn sie etwas aufhob. Heinrich war durch ihr Verhalten hin und hergerissen, einmal wollte er ihr wegen der frechen Reden am liebsten eins aufs Maul geben, dann wieder stand ihm der Schwanz, wenn sie nur wenige Schritte entfernt mit dem Arsch wackelte. Verschwand sie hinter der kleinen Hütte, um zu pinkeln, schlich er neuerdings so nah wie möglich heran und lauschte, und einmal, als sie sich direkt neben ihn hinhockte und mit glasigem Blick in die Ackerfurche pinkelte, wäre es ihm fast gekommen. Na, sagte sie, noch über der gelben Pfütze hockend, da hat aber ein Bauernlümmel eine Beule in der Hose, worauf sie lachte und ihm zuraunte, lieber an eine andere zu denken, wenn er schon dem Teufel die Messe bereite, denn sie, sie sei dem Caspar verschrieben, wie er wohl wisse, worauf Heinrich grinste und sich das Gemächt zurechtrückte, denn in seinen Augen war des Schulzen einziger Sohn nur ein weinerlicher dünner und blasser Mensch, dem man in Liebesdingen wohl kaum etwas zutrauen konnte. Außerdem bediente er sich ebensowenig eigener Verse wie Emilia, denn er schrieb diese einfach aus Büchern ab. Er galt zwar allgemein für begabt und genoß Unterricht, war dennoch aber kein großes Licht, was der Informator, ein gewesener, in Armut gestürzter Student, aber für sich behielt, um die Stelle zu behalten. Als Heinrich, daran mußte er jetzt denken, während er sich wieder an die Arbeit machte, das erste Brieflein Emilias überbrachte, ließ eben dieser Informator es zu, daß der Bauernlümmel, für den er Heinrich hielt, seinem Schützling beim Abschreiben der Zeilen über die Schultern sah. Auch Caspar dachte wohl nicht daran, daß Heinrich lesen konnte, obgleich er ja der Gehilfe eines Kaufmanns war. So las Heinrich also die Zeilen, die er sich gut merkte und die da lauteten: So soll der Purpur deiner Lippen, las er, jetzt meiner Freiheit Bahre sein? Soll an den korallinen Klippen mein Mast nur darum laufen ein, daß er an statt dem süßen Lande, auf deinem schönen Munde strande?

Während der Ausfahrten zu den Bauern und Linnewebern brachte Heinrich nun immer öfter Briefe hin und her, wenn er denn nicht auf dem Acker sich den Rücken krummschuftete oder in der Schreibstube schrieb, bis ihm die Augen brannten. Er war ohne Zweifel, das kam ihm eines Abends, während er einen Vertrag ins Reine brachte, plötzlich siedendheiß zu Bewußtsein, innerhalb kürzester Frist der Diener nicht nur des Kaufmanns, sondern gleich zweier Frauen geworden! Er bereute es schon, den Hof verlassen zu haben. Oft hörte er am Abend Emilia laut seufzen, bevor sie zu ihm heraufschlich und einen weiteren Brief verlangte. Sie legte ihm jedes Mal Caspars neuestes Verslein hin, worauf er in den Büchern eine passende Antwort zu suchen und der ungeduldig Wartenden zu präsentieren hatte.

So folgte Tag auf Tag. Im Herbst des Jahres ging Thorbecke schließlich auf Reisen, um in Holland bessere Stoffe zu kaufen. Feines Leinenzeug kann ich zu weit höheren Preisen verkaufen als das, was die hiesigen Bauern und Linneweber mir anbieten, also reise ich, erklärte er kurz und knapp. In Duisburg schließe er sich einem Kaufmann aus Köln an, mit dem er dann auch den Rückweg antreten werde. Kaum drei Wochen später setzte der Winter frühzeitig mit Schnee und eisiger Kälte ein. Vom Meister weder Spur noch Nachricht. Heinrich war nun der einzige Mann im Haus mit seinen gut fünfzehn Jahren, doch daß ihm dies nicht etwa zu Kopf stieg, dafür sorgte schon die Hausherrin, die ihn streng hielt und keinen Müßiggang zuließ. Auch als er sein Nachtlager in der Schreibstube aufschlug, wollte sie das zunächst nicht zulassen, sicher weil es vis à vis von Emilias Schlafstube lag. Der Frost wurde jedoch bald immer strenger und Heinrich konnte sie umstimmen, indem er sie in seine eisige Dachstube führte, wo selbst das Wasser in der Waschschüssel gefroren war. So lebte er also nun inmitten von Schriften und Büchern, die er, da es an ausreichend Regalen mangelte, thematisch geordnet an den Wänden hochstapelte. Ein kleiner, gut ziehender Ofen beheizte sein Reich, in dem er viele Tage damit verbrachte, nun endlich die Schichtbücher sauber abzuschreiben. Wann immer möglich las er aber auch in den Büchern, die der Meister über die Jahre von seinen Reisen mitgebracht hatte, darunter auch zwei, drei Romane, die aus dem Französischen übersetzt waren.

Emilia steckte gelegentlich des Abends ihre Nase in seine neue Stube. Er könne sich nicht vorstellen, beklagte sie sich dann immer wieder, wie langweilig ihr sei, die Mutter ließe sie nicht einmal zu den Teestunden, die doch jetzt in Mode kämen, geschweige denn zu Tanzabenden. Hausarbeit ist alles, was sie mir zu tun aufgibt, sagte sie, Milch und Brot darf ich holen wie eine Dienstmagd, putzen und scheuern und waschen darf ich, doch wenn es dunkel wird, schickt sie mich zu Bett, und dann liege ich halbe Nächte wach. Du kannst wenigstens Holz hacken und schreiben und lesen, doch mir wird die Zeit lang. Heinrich hörte sich die Klagen wortlos an und vertiefte sich dann wieder in sein Buch. Eines Abends stand sie plötzlich wieder in seiner Stube, doch diesmal hatte er sie nicht einmal kommen hören, denn er war in ein Büchlein vertieft mit dem vielversprechenden Titel Der wahrsagende Mercurius – Das neu aufgelegte Glücksbüchlein, in dem sowohl Lebensfragen für Mannspersonen als auch für Frauenzimmer behandelt wurden. Das war sehr spannend, kein Wunder also, daß er alles um sich herum vergaß. Kurz bevor Emilia hereingeplatzt war hatte er all die Fragen für die Frauen durchgelesen, die auszuwürfelnden Antworten aber nur überflogen. Im Männerteil war er zuvor schon auf die Frage gestoßen, ob er denn bald heiraten werde, worauf er mit geschlossenen Augen die Antworten anvisierte und den Zeigefinger dort fand, wo es hieß, er würde bald ein fruchtbares Weib heiraten und solle sich beizeiten nach Wiegen und einem großen Haus umsehen. Das war natürlich Unsinn, er wußte wirklich nicht, ob dieses Buch ernst zu nehmen ist. Natürlich hatte er es auch falsch angefangen, es mußte ja gewürfelt werden nach einem bestimmten Prinzip, doch er hatte im Haus keine Würfel finden können. Die Fragen für die Frauen waren ganz ähnlich, nur nach dem Studieren, dem Beruf oder dem Kriegsdienst wurde natürlich nicht gefragt. Ansonsten aber ging es fast nur um die Ehe. Da war es ja nur passend, daß Emilia hereinpolterte, damit er ihr die Langeweile vertreibe.

Er las ihr, die sofort neugierig wurde, die ersten drei Fragen für die Frauen vor, wozu du natürlich geneigt seiest, ob du glücklich im Leben und ob du bald Braut sein wirst. Emilia klimperte wild mit den Augendeckeln und lief ganz rot an. Sie wollte sofort eine Antwort auf eben diese dritte Fragen haben und hockte sich ihm gegenüber auf den Boden; dabei war die nun folgende, so fand Heinrich, nämlich wie viele Männer du haben werdest, um einiges spannender. Er erklärte ihr ruhig die Sache mit den Würfeln, doch da auch sie nicht wußte, ob im Haus welche zu finden seien, die Mutter haßte schließlich Glücksspiele, mußte es anders gehen, indem sie nämlich mit geschlossenen Augen mit dem Finger auf eine Antwort wies. Ja, gut, rief sie, das machen wir eben so, ich muß wissen, ob ich bald Caspar heirate! Heinrich lächelte. Gut, sagte er und legte das Buch zwischen sich und dem Mädchen auf den Boden, dann schließe die Augen und fahre mit dem Zeigefinger über die Seite mit den Antworten, das ist ebenso gut wie das Würfeln. Die Augen fest zupressend fuhr sie nun mit dem Finger hin und her, erst langsam, dann schneller und schneller, sie konnte gar nicht aufhören damit, denn hier würde sie die Antwort finden, das Schicksal würde zu ihr sprechen, ob sie endlich bald heiraten würde, oh wenn doch bald der Vater zurückkäme, dachte sie, und mit dem Schulzen sprechen würde! Hin und her fuhr der Finger, hin und her. Dann hielt sie inne, die Augen geschlossen. Der Finger wies genau auf die Nummer zwölf. Lies vor, rief sie aufgeregt, ohne die Augen zu öffnen, lies vor! Einen Moment lang überlegte Heinrich, ob er die bezeichnete Antwort nicht gegen eine andere tauschen sollte, denn warum sich Ärger einhandeln, dachte er. Die Antwort mit der Nummer zwölf ist, sagte er aber dennoch, holte noch einmal tief Luft und las: Du bist allzu böse, und das weiß jedermann. Drum hüten sie sich und kommen dir nicht zu nahe. Emilias Schnute verzog sich, sie öffnete die Augen, den Mund, setzte zum Sprechen an, doch kein Laut entrang sich ihrer Kehle, nur die Unterlippe zitterte ein wenig. Ihr Zeigefinger lag noch immer auf der Seite. Nun, es kommt oft auf die kleinsten, die allerkleinsten Veränderungen an; sei es also, daß Emilia derweil die Position ihres Fingers unmerklich verändert, sei es, daß Heinrich das Buch berührt und ein wenig bewegt hatte, denn als die Entgeisterte selbst hinsah, lag der Finger bei Antwort vierzehn. Sie drehte das Buch um, hielte es sich nah vors Gesicht und entzifferte mit viel Mühe den Text. Deine ausbündige Schönheit, las sie stockend, läßt dich nicht lang ledig, und du wirst ehestens einen Freier bekommen. Das hörte sich schon besser an! Sie warf das Buch auf den Boden und verabreichte Heinrich eine schallende Ohrfeige. Ein Hundsfott bist Du, schrie sie aufspringend und knallte die Tür hinter sich zu. Weiber, murmelte Heinrich vor sich und rieb sich die Wange, Weiber!

Endlich kam ein Brief Thorbeckes. Der Meister schrieb, er müsse bis zum Frühjahr in Holland bleiben, da wegen widriger Winde lange kein Schiff gegangen sei und er nun auch nicht mehr rechtzeitig nach Nimwegen kommen werde, um von dort mit der wertvollen Ware auf dem Rhein Duisburg zu erreichen. Heinrich solle weiterhin die Schichtbücher der letzten Jahre sauber abschreiben, dabei aber kein Licht verschwenden, auch binden lassen solle er die Bücher nach dem Muster des ersten Jahrgangs, all dies natürlich nur, wenn andere Aufgaben erledigt seien. Die Hausherrin zeigte ihm den Brief und ließ sich die Schichtbücher zeigen. Ja, auch sie war der Ansicht, alles müsse noch einmal ins Reine geschrieben und neu gebunden werden, selbst wenn es Geld und Zeit kostete, denn was würden wohl die anderen neun Schichtmeister beim nächsten Schichtfest sagen, wenn ausgerechnet das thorbecksche Haus es fehlen ließe an einer ordentlichen Führung der Bücher. Heinrich gab ihr recht, und gut auch, daß er sich ja ohnehin schon an die Arbeit gemacht hatte; doch wenn, das aber dachte er nur bei sich, er nun in drei Teufels Namen kein Licht entzünden sollte, so würde er von nun an zeitig Feierabend machen.

Am selben Abend stahl er sich aus dem Haus und besuchte, eigentlich hätte er dies längst einmal tun sollen, den dritten Prediger in seiner neuen Wohnung am Markt. Der lag wie so oft wegen seines kranken Beines danieder, manchmal schaffe er es kaum die vielen Stufen hinauf oder hinunter, sagte er, aber eine Wohnung im Erdgeschoß wäre nicht verfügbar gewesen. Heinrich hörte ihm lange zu, als dieser, froh darüber, einen Zuhörer zu haben, über die Mitteldinge sprach, die manch ein Prediger den Menschen nicht gestatten wollte, da sei ein Disput im Gange, der schon viele, viele Schriften hervorgebracht hätte, dafür und dawider sprechende ebenso wie eher indifferente. Später kam er sogar noch zu den Fragen der Rechtfertigung. Natürlich verstand Heinrich nur wenig, doch er merkte sich das ein oder andere Argument, so gut er konnte, damit er selber nicht, so sagte er sich, in die Defensive geraten würde, käme es einmal darauf an. Ihm schien sogar hier und da, als verstehe er wirklich, um was es gehe, so als würde ein frischer Wind durch sein Oberstübchen wehen. In jedem Fall waren die Mitteldinge solche Sachen wie Tanzen, Trinken, Kartenspielen und so weiter, also alles, was den Menschen Freude machte.

Heinrich wiederholte die Besuche. Beide gewöhnten sich bald daran. Eines Abends steuerte Heinrich nach dem Besuch beim Prediger eine Schenke an, um noch etwas zu trinken und um sich all dies einmal anzusehen, was der Prediger so wortreich verteufelte. Auch dies wurde ihm eine Gewohnheit, auch wenn er eher schüchtern in einem Winkel bei einem Krug Bier saß, während es, vor allem vor Feiertagen, um ihn herum hoch herging und manch einer sich ordentlich die Hucke vollsoff. Die Obrigkeit hatte zwar strenge Regeln erlassen, doch wurden diese, da man Unruhe und Aufstände etwa der Handwerksgesellen befürchtete, nicht allzu strikt angewendet. Einmal alle sieben Tage mußte gefeiert werden, das sah mancher als sein Recht an, da konnte die gute Polizei machen, was sie wollte.

Die Marktschenke an einem naßkalten Abend, Anfang Februar. Als Heinrich, vom Prediger kommend, eintrat, hatte sich bereits eine illustre Gesellschaft versammelt, es wurde musiziert und getanzt, die Luft war geschwängert von Bierdunst und dem hin- und herwabernden Tabaksrauch. Linneweber und Zimmerleute prosteten sich fröhlich zu und feilschten scherzhaft um die Mädchen, die sich immer wieder lachend einen Burschen zum Tanz nahmen, ihn dann aber mit gespielter Empörung zurückstießen, sobald er aufdringlich wurde, seine Hand sich dem verlängerten Rücken näherte oder er einen Kuß haben wollte. Heinrich zog sich mit einem Krug Bier in eine Ecke zurück und sah dem Treiben zu, schnorrte von seinem Nebenmann ein wenig Tabak, rauchte seine Pfeife und ließ den Herrgott einen guten Mann sein. Das sind also die Mitteldinge, dachte er wieder, die der Herr Pfarrer so verteufelte! Selbst jetzt, an Lichtmess, feierten die Menschen, statt zu beten und ruhig zu sein, hatte er Heinrich heute zur Begrüßung mit empörter Stimme gesagt. Er würde ihn einmal fragen müssen, wie denn die ganz und gar guten und die ganz und gar bösen Dinge aussähen und was die Leute denn anders tun sollten am Feierabend, denn man kann doch schließlich nicht jeden Abend in den Erbauungsbüchern oder der Bibel lesen, dachte er und war ganz in Gedanken, als plötzlich eine dralle Weibsperson mit hochgebundenem Rock, sicher doppelt so alt wie er selbst, vor ihm stand und ihn anblinzelte. He, Du kleiner Pumper, willste nicht tanzen!, rief sie und zog ihn im selben Moment zu sich heran, buchstäblich an ihren Busen. Ein scharfer Geruch nach Schweiß drang ihm in die Nase, dann fand es sich mitten auf der Tanzfläche wieder, und da er nicht recht tanzen konnte, hob die Frau ihn einfach hoch und schleuderte ihn herum, mehrere Paare wichen lachend zu den Tischen hin aus. So etwas erlebte er ja nicht zum ersten Mal! Wie damals auf dem Hof schüttete man sich fast aus vor Lachen. Heinrich blieb so wieder einmal nichts anderes übrig, als sich beschämt zu seinem Bier in die Ecke zu verziehen, während die Stimmung immer ausgelassener wurde. Bald setzten sich einige Mädchen den Burschen auf den Schoß und bewegten keck ihre Hintern, so daß den Kerlen ganz heiß wurde und sie rot anliefen. Auch Heinrichs Mast richtete sich auf, als gleich neben ihm eine Hand unter den Rock eines Mädchens drängte. Das junge Ding quiekte auf, tat aber nichts, um den Kerl loszuwerden. Er dachte wieder an die Worte des Predigers, der die Unzucht streng verurteilte, doch schon war da auch die Stimme Annas, die von ihrem Herrn Kaufmann sprach, lange hatte er sie nicht mehr in seinem Innern gehört. Sicher war sie tot, die Arme, erfroren, verhungert oder ertrunken, so wie Cara. Der Tanz hörte bald auf, die Mädchen verzogen sich, die Musiker bekamen einen Obolus und einen Krug Bier, dann wurde Karten gespielt, man warf sich Schimpfworte an den Kopf, ärgerte sich, wenn man verlor, feixte, wenn man gewann, einer ging raus, um zu kotzen, ein anderer erzählte tolldreiste Geschichten von einer Reise nach Osnabrück, während Heinrich rauchte und trank und zuhörte und beobachtete, ohne selbst aber beachtet zu werden.

Gut eine Stunde später verließ Heinrich an diesem Abend die Schenke und tastete sich in fast völliger Dunkelheit zum thorbeckschen Haus. In der Schreibstube war Licht. Emilia erwartete ihn aufgeregt, er müsse einen Brief schreiben, noch heute Nacht, es sei sehr wichtig, bitte, bitte, bitte, denn ihr sei zu Ohren gekommen, daß Caspar einer anderen versprochen sei. Sollte er sie nicht einfach hinauswerfen, überlegte Heinrich müde. Emilias Augen glänzten unnatürlich, so als habe sie Fieber. Bitte, sagte sie noch einmal, schreib mir um Gottes willen diesen Brief, mein Lebensglück hängt davon ab! War das noch das selbe Frauenzimmer, das ihm eine Ohrfeige verpaßt hatte und auch sonst ziemlich grob werden konnte? Doch war sie ihm jetzt, überlegte er, das zitternde Mädchen fixierend, nicht ausgeliefert? Nahm dieser Caspar nicht seine Handschrift als die ihre? Bitte, sagte sie wieder, doch diesmal so wehleidig, daß Heinrich schmunzeln mußte. Dann plötzlich begriff sie, was sie tun mußte, noch bevor es Heinrich überhaupt in den Sinn kam. Kurzerhand zog sie ihm die Hosen runter und legte gleich Hand an, ungelenk und zögerlich erst, bis es dann aber wie von selbst ging.

So gab es nun also ein zweites Geheimnis im Hause des Kaufmanns Thorbecke in der Kötterbachstraße in Schwerte an der Ruhr, das freilich mit dem ersten eng zusammenhing. Die Briefe an Caspar, die Heinrich in den folgenden Wochen für Emilia schrieb und die er nun der Dringlichkeit wegen zu Fuß transportierte, wurden immer besser, die Briefe des jungen Mannes vom Schulzenhof, die Heinrich alle zu Gesicht bekam, blieben sich hingegen gleich, stellten nichts in Aussicht und beantworteten keine der Fragen. Sie waren nach wie vor bloß kunstlos abgekupfert. Eines Tages gestand Emilia dem überraschten Heinrich, sie habe Caspar überhaupt nur einmal gesehen und auch nur wenige Worte mit ihm gewechselt, bald aber schon, wenn dieser endlich aus Holland zurück sei, wolle sie mit dem Vater sprechen, damit es mit dem Schulzen zu einer Einigung käme. Und dann ist Schluß mit dem sündigen Tun, Heinrich, schloß sie streng ihre kleine Beichte, bilde Dir bloß nichts ein, worauf er nur mit den Schultern zuckte, er war zufrieden mit dem, was er bekam, doch es gab ja auch noch, das dachte er oft, andere Mädchen auf der Welt und nicht nur dieses dumme Ding. Zwei oder drei Mal wies er, wenn sie einen Brief verfaßt haben wollte, ihr Ansinnen aber auch ohne jeden Hintergedanken zurück und verschanzte sich hinter Büchern und Papierstapeln in seiner Schreibstube. Dann mußte sie, das erkannte Emilia schnell, bettelnd wie ein Kind vor ihn hintreten, bis er endlich die Feder zur Hand nahm und lustlos etwas von Heirat und Kindern schrieb, von Gottes Wille, dem Segen der Väter und so weiter und so weiter, alles garniert mit einem Verslein.

Den Namen Adam Bernd sprach Heinrich nicht mehr aus, auch nicht dem dritten Prediger gegenüber, doch in seinen Gedanken und Tagträumen war er stets präsent. Mehr als nur einmal hörte er Cara leise Adam Bernd sagen, so als stünde sie lebendig direkt neben ihm und flüsterte es in sein Ohr. Eines Tages, die Hausherrin war zu einem Treffen der Schichtmeister ausgegangen, wo sie ihren Mann zu vertreten hatte, hörte er Cara diesen Namen sogar laut und deutlich sagen, kaum daß Emilia damit begonnen hatte, sein Gerät zu bearbeiten, weil sie wieder einmal dringend seine Schreibkünste benötigte. Adam Bernd hallte es durch die Schreibstube, wie ein Donner. Er wunderte sich zuerst, daß Thorbeckes Tochter nicht innehielt. Im selben Augenblick aber, in dem er sie an den Schultern faßte und sie zur Seite schob, standen ihm blitzartig Bilder der peinlichen Befragung Adam Bernds, einer schattenhaften, auf einer Bank festgebundenen Gestalt, vor Augen, hell und klar wie der Tag. Er selbst vollführte die Befragung, mit Zwicken und Zwacken und Strecken, ein nackter, geschundener Leib, zuckend in Blut und Exkrementen lag vor ihm. Dann zerstob das Bild und Emilia stand vor ihm. Ist Dir nicht gut, fragte sie besorgt, Du zitterst am ganzen Leib, doch Heinrich schüttelte nur den Kopf. Der Teufel hat mir eine Vision geschickt, erwiderte er matt, oder Gott. Es war schrecklich.

Derweil kam ein weiterer Brief des Meisters, er könne auf einem Hamburger Schiff reisen, sobald der Wind günstig stehe. Er reise also nicht über Nimwegen nach Duisburg, um von dort auf dem Hellweg nach Schwerte zu gelangen, sondern würde von Hamburg aus, wo er aber immerhin Geschäftskontakte erneuern konnte, nach Paderborn reisen, um von dort den Hellweg von Osten her zu nehmen. In wenigen Wochen wäre er, wenn alles gut ginge, zurück. Emilia war außer sich, denn jeder Tag Verzögerung konnte Unheil bedeuten. Außerdem lag das Gerücht, Caspar werde bald in den heiligen Stand der Ehe treten, wieder in der Luft, eine Freundin, die regelmäßig zu den Teestunden ging, hatte es brühwarm erzählt. Und auf ihre Briefe hatte er zuletzt auch nur noch fahrig und einsilbig geantwortet! Emilia lebte in größter Angst, alle Lebensfreude war ihr vergangen. Als Heinrich schließlich eines Tages Anfang April unverrichteter Dinge zurückkam, der Schulze hatte alles herausbekommen und jagte ihn, einen zähnefletschenden Hund am Halsband haltend, geradezu vom Hof, warf es sie umgehend aufs Krankenlager, sie heulte und flennte und wollte nichts essen. Die Hausherrin versuchte herauszubekommen, was geschehen war, sie fragte Heinrich, doch der schwieg wohlweislich wie ein Grab und tat gänzlich unbeteiligt und unwissend. Erst die Freundin gab Auskunft über die Sache mit Caspar. Die arme Emilia mußte sich eine Standpauke anhören, die sich gewaschen hatte, sie wurde aus dem Bett gezerrt, was sie sich einbilde, eine dumme Göre sei sie, was sie denn mit diesem Schulzensohn wolle, ein Prahlhans sei der, und schließlich ließ die Mutter den ersten Prediger von St. Viktor kommen, der mit ihr zu sprechen hatte in der Wohnstube, sie solle ruhig und sittsam ihre Arbeit tun, sagte er zu ihr, die beschämt auf ihre Schuhe blickend vor ihm saß, Tränen hinter der Stirn, die nicht hinausdurften, Gott der Herr werde ihre Gebete erhören, ihr Vater sei ein rechtschaffender Christ und werde seiner Tochter einen guten Ehemann verschaffen, darauf solle sie bauen, so wie Gott seine Kirche auf einen Fels gebaut hat, die Messe sollte sie nicht versäumen, die Eltern ehren und ihnen zu Gehorsam sein, in Demut und Ehrfurcht Gott lieben und den Trubel der Welt fliehen, dann würde alles gut werden und sie ihrem künftigen Mann eine gute Ehefrau sein, an der Mutter solle sie sich ein Beispiel nehmen, solch eine rechtschaffende, kluge und gottesfürchtige Frau! Emilia versprach mit leiser Stimme, in allem zu gehorchen.

Mit den länger werdenden Tagen mußte Heinrich wieder viel auf dem Acker arbeiten, zusammen mit einer immer mehr verstummenden Emilia. Thorbecke war endlich mit den ersten Frühlingsknospen, das feine Leinen und noch manch anderes im Gepäck, wieder in Schwerte angelangt und hatte einen großen Teil der edlen Ware zu einem recht guten Preis verkauft. Für seine Tochter besiegelte der Meister, kaum wieder im Lande, durch Handschlag schnell eine leidlich gute Partie, nämlich den Sohn des siebten Schichtmeisters. Die beiden Männer waren sich seit Jahren schon einig gewesen in dieser Sache, auch wenn sie es nicht einmal ihren Ehefrauen mitgeteilt hatten, doch nun würde alles gut werden, die Kinder sollten im nächsten Jahr heiraten, sobald das Haus des siebten Schichtmeisters erweitert und Emilia die Arbeit an ihrer Aussteuer beendet hatte. In jedes Laken, in jedes Tuch ein E. Th. hineinzusticken, sagte sie eines schönen Tages zu Heinrich während der Feldarbeit, ist schlimmer als all das Umgraben und Säen, und müßte ich es alleine tun. Ihre Augen glänzten rot und fiebrig, das Haar war matt und verklebt, der Rock hing im Modder und zog Wasser bis zu den Kniekehlen hinauf. Auf die Frage, wer denn ihr zukünftiger Mann sei und was er tue, sagte sie nur, als Kind hätte sie mit ihm Zank und Streit gehabt und ihm einmal einen Zahn ausgeschlagen.

Für Heinrich hieß die Rückkunft Thorbeckes, zusätzlich zur Feldarbeit wieder dringende Schreibarbeit verrichten zu müssen. Da er inzwischen ausdauernder schreiben konnte, als er selbst je gedacht hatte und zudem eine immer schönere Feder führte, oblag ihm nun auch das Ausfertigen der wichtigsten Schriftstücke. Der Meister beglückwünschte sich zu seinem guten Einfall, den Jungen in Dienst genommen zu haben. Selbst als Heinrich im Sommer damit begann, an Montagen manchmal ganz blau zu machen wie die Handwerker, schritt Thorbecke nicht ein. Auch ich bin einmal jung gewesen, sagte er zu seiner Frau, die solch sündhaftes Benehmen aber nicht durchgehen lassen wollte, denn noch habe man eine Tochter im Haus, und da müsse, darauf bestand sie, in allen Dingen Strenge herrschen, das sei überaus wichtig. Der Meister ließ sie reden und Heinrich seine kleinen Freiheiten, der es aber leiden mußte, daß die Frau des Hauses ihn bald schon als Vorleser neu erhaltener Schriften bestimmte, eine Stunde an jedem Abend. Womöglich dachte sie ihn dadurch zu bekehren, ihn von den Besuchen in der Schenke abzuhalten. So las Heinrich nicht selten wieder aus Arndts Werken, wie vor Zeiten auf dem Bauernhof, dazu auch Schriften wie Der Einfältige Christ, durch wahren Glauben mit Christo vereinigt und ähnliches. Sah er während des Vorlesens auf Emilia, die von der Mutter dabeizusitzen genötigt wurde, da sie nun ja bald heiraten und das Haus verlassen werde, so fuhr es wie ein Blitz durch seine Eingeweide. Wenn aber Emilia, das passierte bald immer öfter, schließlich nach einer Weile anfing zu zittern und zu beben und die Hände im Schoß vergrub und weinte, so schickte die Mutter den Vorleser hinaus, der dann schnurstracks zur Schenke eilte. Er hatte schnell heraus, daß ein paar Blicke und ein paar besondere Betonungen beim Lesen das Mädchen zuverlässig zum Weinen brachten. Die Mutter sah darin allerdings ein Zeichen der Ergriffenheit und sprach der Tochter von Wiedergeburt und Frömmigkeit, ja sie nahm sich die Tochter und deren Empfindsamkeit zum Geleit. Las Heinrich aber nur ihr allein aus den Schriften vor, wollte es ihr absolut nicht gelingen, sich selbst zu verlieren und in Christo aufzugehen. Lange lag sie dann wach in der Nacht und befragte sich selbst, ob sie ein gottgefälliges Leben führte oder ob der Teufel in ihrem Herzen niste und sie zu Sünden und sündigen Gedanken verleite, trotz aller Vorsicht und Strenge. Es befiel sie jedes Mal große Angst, sie betete dann inbrünstig und bat Gott inständig um ein Zeichen. Der Kaufmann schlief seit einiger Zeit schon mit Wachs in den Ohren, er mußte sich um seine Geschäfte kümmern, nicht zuletzt auch deswegen, weil auch eine schlichte Hochzeitsfeier einiges kostete, die beiden Söhne würden anreisen und allerlei Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins und wer weiß noch alles. Da muß man seine Groschen schon zusammenbringen, sagte er oft verschmitzt zu Heinrich, der ihm immer mehr ans Herz wuchs, und die Frömmelei der Weibern überlassen, Hermes sei es geklagt.

Es geht, sagte der dritte Prediger eines Abends beiläufig, ohne daß Heinrich eine Frage an ihn gerichtet hätte, das habe ich zufällig gesehen, eine Post von Dortmund nach Frankfurt an der Oder, und von dort geht dann sicher eine weitere Post oder ein Schiff nach Breslau. Das könne er ihm sagen, mehr wisse er nicht. Wieder waren zwei Jahre ins Land gegangen, Heinrich war noch ein wenig gewachsen und auch kräftiger geworden, Emilia nun verheiratet und bereits Mutter einer kleinen Tochter, während des Kaufmanns Geschäfte allerdings immer schlechter gingen. Die Preise für grobes wie feines Leinen, für Drillich wie Zwillich, waren zwar gestiegen, wie überhaupt alles teurer wurde, doch zugleich blieben die Löhne sich seit Jahren gleich, weil wieder mehr Menschen nach Arbeit und Lohn Ausschau hielten. Seine Ware aber, das erklärte Thorbecke Heinrich eindringlich, unter Preis zu verkaufen, weil die Menschen weniger Geld hätten, käme nicht infrage, so lange man nur über die Runden käme und noch einen kleinen Acker sein eigen nennen könne. Thorbecke unternahm nun häufig Reisen, ins bergische Land, nach Köln und sogar nach Frankfurt am Main und Würzburg, denn er müsse sehen, wie sich das Geschäft verändern und erweitern ließe. Sollten doch die anderen Kaufleute der Stadt sich in ihr Elend fügen, er würde etwas dagegen tun. Seine Frau argwöhnte zwar, ihn treibe eher die Abenteuerlust als das Geschäft in die Fremde, doch da tat sie ihm Unrecht, auch wenn er sich gute Gelegenheiten nicht entgehen ließ und mit manch Täubchen turtelte, denn er lieh sich Geld, wann immer das möglich war, kaufte alle mögliche Ware zu geringen Preisen, mietete Fuhrleute zum Transport und auch vor den Toren Schwertes Scheunen und Lagerhäuser, feilschte und forderte, übervorteilte hier und da, blieb selbst auf mancher Ware sitzen und so weiter, kurz, er betrieb sein Geschäft mit aller Kraft, ohne das Risiko zu scheuen. Ein Kaufmann muß kaufen und verkaufen, das sagte er Heinrich immer wieder mit einem Augenzwinkern, sonst hätte er ja gleich Bauer oder Mörtelrührer werden können. Heinrich schrieb also viele neue Arten von Ware in die Bücher, Pfeffer, Honig, Salz in Scheiben, Unschlitt, Flachs und sogar Kalk und Ziegel, verzeichnete Ort und Tag des Kaufs und den Namen des Verkäufers, die Menge in Maß, Pfund oder Metzen und den Ort der Lagerung, dann den Verkaufspreis und in die letzte Spalte den Namen des Käufers, wenn er denn nicht ein Kreuz zu machen hatte, wenn die Ware verdarb oder gestohlen wurde. Der Meister zeigte ihm genau, wie all das aufzuzeichnen sei, denn nun mußte nicht nur mit Ellen gerechnet werden wie früher. Wie mit Talern und Goldgulden zu rechnen sei und wie alles in Pfennige umgerechnet werden müsse, begriff Heinrich aber nach wie vor nicht, das war noch zu hoch für den Jungen, doch irgendwann würde er es schon begreifen, dachte Thorbecke, der Kerl ist doch sonst pfiffig wie ein Fuchs.

Von seinen Reisen, und war er auch nur in Unna oder Soest, kam Thorbecke immer gut gelaunt zurück, mit neuer Ware und oft auch mit einem oder zwei weltlichen Büchern, die seine Frau aber nicht einmal anzurühren wagte. Die Laune des armen Mannes wurde dann aber mit jedem Tag wieder schlechter, bis er sich abermals zu einer Reise aufmachte, sei es wegen eines Geschäfts oder auch einer gerichtlichen Untersuchung, die er etwa wegen ausstehender Bezahlung angestrengt hatte. Heinrich blieb so nach wie vor oft mit der frömmelnden Hausherrin allein. Wie früher Emilia, so forderte auch sie nun neuerdings Heinrichs Schreibdienste, wenn auch in gänzlich anderer Absicht, denn sie war in Kontakt getreten mit einem Prediger aus Detmold, dem sie, wann immer Thorbecke länger außer Haus war, den Stand der Dinge in der schönen Handschrift Heinrichs mitteilte. So erfuhr Heinrich mehr als ihm lieb war über ihre stetigen Versuche, die Leidenschaften und alle Eigenheiten in sich zu ertöten, die Anfechtungen des Teufels zu erkennen und sich ihrer zu erwehren. Zu allem Überfluß mußte er ihr auch noch die Briefe des Detmolder Predigers vorlesen, und ließ er es einmal an Innigkeit der Darstellung fehlen, so schlug sie ihm mit der flachen Hand ins Gesicht, außer sich vor Wut. Was Wunder, daß Heinrich nun jeden Abend zum Saufen in die Schenke ging, dort war Leben und nicht Tod, Vergnügen und nicht Aufopferung, und als er einmal einen Finger tief hineinsenkte in die Mutz eines aufreizenden und ziemlich betrunkenen Mädchens, roch er tagelang daran, als sei es der Duft des Paradieses. So lebte Heinrich zwei Leben, das des leidlich fromm gestimmten Schreibers und Vorlesers und das des Säufers und Möchtegernweiberhelden. Nie ließ ihn eine richtig an sich heran, denn wenn er auch ein leidlich hübscher Bursche geworden war, sogar tanzen hatte er gelernt, eine gute Partie war er beileibe nicht, nicht mal für die Huren.

Nicht selten war in der Schenke die Rede von Schwangerschaften. Diese und jene werde wohl lange nicht auftauchen, zischte man sich zu, die Hure die, konnte ja nicht lassen von den Kerlen, doch ich frage mich, sagte dann immer einer, sich umblickend, welcher Hundsfott seine Rute nicht im Zaum halten konnte! Sah einer dann Heinrich länger an, so lachten alle, worauf er rot anlief wie eine Erdbeere und in Schweiß ausbrach. Dann half auch alles Schulterklopfen nicht mehr, ihm war der Abend verdorben und er stiefelte bald nach Hause, in Gedanken bei Cara in der Stube des dritten Predigers, ihr geschwollener Bauch, die kleinen Schnitzfigürchen und die abgebrochenen Köpfe, all das tauchte auf in ihm, und dann war sie in die Ruhr gegangen, ganz sicher hat sie sich hineingestürzt, hatte sich ersäuft, sollte doch der Prediger sagen, was er wollte, aus Verzweiflung, mit einem Kind im Leib, die Fische haben sie gefressen, sie und das Kind, und Schuld allein ist dieser Adam aus Breslau, dieser Adam Bernd, der bei ihr gelegen hat und dem seine ganze Wut galt, Pläne schmiedete er, tagträumend vor sich hinmurmelnd, er mußte vorher wissen, was zu tun ist, wich sich rächen für den Tod der Schwester. Einmal wollte er das Vertrauen Adam Bernds erringen, um ihm dann bei einer Wanderung in den Bergen, denn Berge mußte es dort bei Breslau unbedingt geben, seine Sünden an den Kopf zu werfen. Cara ist tot, würde er sagen, mit einem Fluch auf den Lippen ist sie gestorben, deinetwegen! Und dann werde ich, so überlegte er, diesen Menschen in die Tiefe stoßen und ihm hinterherspucken! Natürlich wäre es auch möglich, den Kerl in ein Moor zu treiben, denn dann bliebe, während er jammernd und um sein Leben bettelnd versank, noch genug Zeit, ihm seine Sünde vor Augen zu führen. So träumte Heinrich oft vor sich hin, die Phantasien waberten hin und her zwischen einem Stoß in den Tod, dem Aufspießen mit einer Lanze, der peinlichen Befragung und sogar dem Abschneiden der Genitalien, ausbluten wird der Teufel, wisperte er dann vor sich hin, ausbluten, bis kein Tropfen mehr drin ist in ihm! Wachte Heinrich aus diesen Tagträumen auf, so waren seine Fäuste geballt und die Knöchel ganz weiß, manchmal sahen ihn die Menschen mit schräggelegtem Kopf scheu und ängstlich an, ein Wahnwitziger, dachten sie, ein vom Teufel Besessener, und suchten das Weite.

Die entscheidende Idee kam Heinrich jedoch frühmorgens in der Schreibstube, als er mit dem Aufstellen von komplizierten Listen beschäftigt war, die der Meister für einen Prozeß in Elberfeld benötigte. Wie er drauf kam, hätte er nicht sagen können, doch plötzlich war der Gedanke da – was hatte Cara noch gesagt, sollte dieser Adam Bernd nicht Prediger werden? Natürlich! Das hatte sie gesagt! Sein Feind ist kein Gymnasiast, sondern steckt im Predigergewand! Und muß nicht jeder Priester, überlegte er, aufgeregt in der Stube auf- und abgehend, weiter, ängstlich darauf bedacht sein, keine Sünden zu begehen, auf daß er nicht in der Hölle lande! Wie gut wäre es also, ihn nicht einfach zu töten, sondern zu Sünden zu verführen, damit er tagaus, tagein in Angst lebte, tagaus, tagein glaubte, der Teufel sei in ihn gefahren und hocke ihm im Herzen! Das ist die Idee, rief er laut aus, die Hölle auf Erden werde ich ihm bereiten! Am selben Abend fragte Heinrich den dritten Prediger aufgeregt, was denn die größten Sünden seien, die ein Mensch, oder gar ein Prediger, ein Mann Gottes, begehen könne. Froh, seinen jungen Besucher belehren und zudem vom übermäßigen Trinken abhalten zu können, hob er an, ihm den Katalog der Sünden zu erläutern. Heinrich hörte mit einem Interesse zu, daß den Prediger fast glauben machen konnte, der Junge würde gar ein Studium der Theologie im Sinn haben.

Im folgenden Herbst fuhr Heinrich durch das Brück-, das Osten-, das Westen- und das Hüsingtor mit dem Marktwagen hinaus und durch alle vier Stadttore auch wieder hinein. Zwar hatte ihm der dritte Prediger erst kürzlich gesagt, er könne auch bis zur Elbe reisen, dort eine Schiffspassage nehmen, um dann von Wittenberg oder Dresden aus den Landweg nach Breslau zu nehmen, doch war ihm, wann immer er wieder in die Stadt hineinfuhr, zumute, als würde er nie fortkommen. Übellaunig und gereizt brachte er dann die bei den Webern und Bauern abgeholte Ware ins Lager, gab seinem Meister Bericht und ging in seine Schreibstube. Briefe an den Detmolder Prediger fielen zum Glück erst wieder an, wenn Thorbecke auf Reisen war. So konnte er, war nur genügend Rapsöl oder ausreichend Kerzen zur Beleuchtung im Haus, sich seinen eigenen Arbeiten widmen, das heißt, er las in den christlichen Büchern der Hausherrin, die sie ihm freudig lieh, und schrieb alles feinsäuberlich heraus, was nur irgend zu tun hatte mit schweren Sünden. Wer weiß aber, sagte er manchmal zu sich selbst, vielleicht ist das alles nur eine Anfechtung des Teufels, der sich feixend ins Fäustchen lacht – doch wenn schon, dachte er, ich werde ja nicht allein zur Hölle fahren, sondern zusammen mit Adam Bernd!

Endlich kam die Gelegenheit, auf die er gewartet hatte. Bereite nach und nach alles vor, sagte eines schönen Frühlingsmorgens Meister Thorbecke, aufgeräumt in die Schreibstube tretend, wir reisen, denn dieses Mal sollst Du mit mir kommen, noch diesen Sommer nach Magdeburg und Berlin. Für einen kurzen Moment glaubte Heinrich, ein kleines, feistes Teufelchen auf des Meisters Schultern sitzen zu sehen, dann nickte er und sagte, er freue sich auf die Reise.


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*Anlässlich meines baldigen zweiten Aufenthaltsstipendiums im Künstlerdorf Schöppingen, der erste Aufenthalt dort fand 2010 statt, veröffentliche ich meinen damals begonnenen und inzwischen fertiggestellten Roman Ankerlichten oder: Des Herrn Daubenfußes Rache aus meinem Nachlass zu Lebzeiten heraus online auf dieser meiner Website.

Hinweis: Das Copyright © und alle denkbaren Rechte an „Ankerlichten oder: Des Herrn Daubenfußes Rache“ liegen weltweit und darüber hinaus bei Norbert W. Schlinkert. Das Kopieren des Textes oder einzelner Teile ist ausschließlich für den privaten Gebrauch gestattet, sonstige Be- und Verarbeitung und eine Verbreitung in welcher Form und mittels welcher Medien und Techniken auch immer ist unter keinen Umständen gestattet.

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