Literatur fügt Ihnen und …

den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu. So wird es bald auf Büchern stehen, direkt auf dem Titelblatt, schwarz auf weiß. Andere Versionen des Warnhinweises nehmen Bezug auf die Schädlichkeit von Ideen und Gedanken und die dadurch ausgelösten Emotionen. Ausnahmen gibt es keine, Bücher sind gefährlich, punktum. Wer das für ausgemachten Unsinn hält, der weiß noch nichts von jener Kommission, die in Brüssel tagt und sich der geistigen Gesundheit der Jugend Europas verschrieben hat. Ausdrücklich wird darauf verwiesen, keine Zensur ausüben zu wollen, doch dürfe die ohnehin durch hohe Arbeitslosigkeit und Zukunftsängste verunsicherte Jugend nicht in ihr Verderben laufen, indem ganz und gar unrealistische und nicht selten immer noch durch Bücher verbreitete Ideen als realistische betrachtet werden. An Lösungen, so heißt es weiter, für E-Books und andere Plattformen werde gearbeitet, man denke unter anderem daran, Warnhinweise in regelmäßigen Abständen aufpoppen zu lassen. Beispiele für gefährliche Ideen werden nur wenige angeführt, doch zuoberst stehen die des bedingungslosen Grundeinkommens, des Verbots spekulativer Börsengeschäfte und des entgeldfreien Nahverkehrs. Das wäre das Ende Europas, da ist man sich einig, denn die Konkurrenz aus China, Indien oder Afrika schläft nicht. So weit die wenigen Stichworte aus diesem Arbeitspapier, die bisher an die Öffentlichkeit gedrungen sind. Zur Zeit wird der etwa dreiseitige Text in alle europäischen Sprachen übersetzt, selbst in die Kleinstsprachen wie das Sorbische oder die gälischen Sprachen. Alle müssen gleichbehandelt werden, alle ziehen mit. Das ist gut, denn ist nicht dazumal eine Kleinversion Europas, die Österreichisch-Ungarische-Monarchie, als ein Vielsprachen- und Vielvölkerstaat an der Ungleichheit zugrunde gegangen? So ist es, doch davon steht natürlich nichts in dem Papier; ist ja auch nur so eine Idee, die ich aus einem Buch habe, Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil. Gefährlich, gefährlich!

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