Bürger oder Künstler

Bürger oder Künstler, beides zusammen geht nicht! Nicht wenige der sogenannten Romantiker haben um 1800 herum eben diese Ansicht vertreten, und zwar obwohl sich in diesen Zeiten sowohl der Bürger als auch der Künstler zu emanzipieren hatte von adligem Machtanspruch. Heutigentags ist die Macht des Adels längst übergegangen auf die Melange von besitzendem Bürgertum und den politischen Parteien, woraus sich eine Situation ergibt, die für die europäische Postdemokratie insgesamt stil- und realitätsbildend ist. Der Künstler als solcher ist naturgemäß nicht Teil dieser auf Geld und politischer Macht sich begründenden „Elite“, selbst wenn er um des schlichten Lebensunterhaltes willen und um seine Arbeit ausführen zu können Gelder annehmen muß – allerdings wird er „elitär“ werden (ohne dabei gleich auch wohlhabend zu werden), sobald er es zuläßt, daß seine Arbeit zu politischen Zwecken mißbraucht wird, denn ein freier Geist ließe das nicht zu. Eine der hieraus sich ableitenden Fragen ist, ob sich denn der Mensch nicht als Künstler begreifen kann, mit Leib und Seele Künstler sein kann, und trotzdem davon unabhängig sich als Bürger politisch engagieren könne – nun ja, denkbar ist es, wenn man denn sehr, sehr vorsichtig ist und mißtrauisch bleibt gegenüber den um politische Einflußnahme ringenden Menschen, denn am Ende zählt für diese Spezies der Künstler nichts oder dient allein dazu, ihre Paläste auszuschmücken, ihrem Wohlstand oder ihrer Ideologie ein Gesicht zu geben und so weiter. (Und man kann ja auch wunderbar Geld anlegen mittels verkaufbarer Kunstwerke!) Man kennt das. Künstlerauge, sei wachsam!

Without deviation from the norm, progress is not possible.
 (Frank Zappa)
 
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