Zustände sind das

Im Land der Dichter und Denker hat das Dichten und Denken einen außerordentlich geringen Stellenwert, was jedoch niemanden zu stören scheint außer den Dichtern und Denkern selbst. Das mag daran liegen, daß das Dichten und Denken eine das Leben als Ganzes bestimmende Tätigkeit ist, während die meisten normalen Menschen nach der Industrienorm Mensch gebildet sind und dementsprechend leben, was ja nunmal die Trennung von Arbeitsmensch und Freizeitmensch bedeutet, wann immer dies den Arbeitskraftnehmenden dienlich erscheint. In diesem System ist Widerstand gegen Zustände eben das, was Widerstand in jedem System ist, nämlich mindestens störend und schlimmstenfalls systemstörend, was Maßnahmen nötig macht, Dichter und sonstwede Künstler und Denker, die nicht primär der Produktion dienen oder gewinnbringend zu vermarkten sind, auszulöschen, auch wenn dies in zivilisierten Gesellschaften natürlich ganz ohne Schauprozesse, Gefängnis und Blutvergießen geschieht. Am Ende jedenfalls hat das System – denkt man einmal scharf darüber nach, so kommt man drauf – immer recht. Kann man machen nix.

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