Schreibsel V

Die Prenzlauer Berge zu verlassen erweist sich als undenkbar, ja nicht einmal auf den Balkon mag ich hinaustreten. Es ist einfach zu heiß da draußen. Wasser zum Drinherumplantschen gibt es hier ohnehin nicht und auch Grünflächen sind rar. Dafür aber ist alles frisch angepinselt. Das macht sich gut in der Sommerhitze. In den Gründerzeitvierteln der Städte in Westdeutschland findet sich inzwischen mehr durch bröckelnde Fassaden illustrierte Tristesse als hierzuostberlin, das muss man schon sagen. Gäbe es nicht das Realleben-Paradies gleich nebenan im Wedding, manch einer langweilte sich schier krank im Prenzlauer Berg. Da hilft auch kein Yoga. Der Gleimtunnel als Geburtskanal, allerdings mit Rückfahrkarte. Manchmal habe ich den Eindruck, ich lebte hier im Experimentierfeld par excellence fürs Großstadtleben der Zukunft, etwa nach dem Motto Langeweiler aller Länder, vereinigt euch!, so wie ich in meiner Jugend mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, inmitten einer Kleinstadtversuchsanordnung zu leben. Das war natürlich Unsinn, damals, in der Vormoderne.

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