Leidenschaft

Ich kenne Menschen, die enthalten sich jeder Emotionalität, die irgendwie mit Liebe, Begehren und Sehnsucht zu tun hat. Ohne jedes Bedauern. Die motzen mal ein bißchen rum über Alltags- und Berufskram und Sachen, die es immer gab und immer geben wird, der Rest ihres Lebens aber ist ein Insichruhen. Ein wohlverdientes Insichruhen, bar jeder Leidenschaft. Ich hingegen ruhe nur äußerst selten in mir, wenn dann fahre ich auf der Landstraße mit dem Motorrad und bin sowohl hochkonzentriert als auch die Ruhe selbst. Auch beim Lesen gelingt es manchmal, aber wann liest man schon mal einen solchen Text, frage ich, zum genau richtigen Zeitpunkt! Sagen wir mal, es kommt gelegentlich vor. Im Moment aber bin ich emotional derartig in einer Berg- und Talfahrt, da hilft kein Motorradfahren und keine Literatur, da ist im einen Moment alles verloren, im anderen ist da doch so etwas wie ein Licht am Ende des Tunnels – oder täusche ich mich? Sie sehen ja, ich bekomme nicht mal einen ordentlichen Beitrag geschrieben! Neidisch sein aber auf die Emotionsfreien, nee, niemals!!!

[Nachtrag: Kein Licht am Ende des Tunnels. Ich drehe mich um und gehe in die andere Richtung – wer sagt denn, dass ich da in den Tunnel muss!]

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7 Responses to Leidenschaft

  1. derdilettant sagt:

    Ich kenne sie auch beide: die Insichruher, und die Aussichrauswoller. Erstere haben ihre Ruhe, letztere bleiben dafür länger jung – oft schaffen sie es nie über die Pubertät hinaus. Am Ende alles eine Frage der Hormone? Der nachgeordnete Intellekt macht dann ohnehin daraus, was ihm beliebt.

  2. Sie haben recht, zumindest partiell sind manche von den Aussichrauswollern für immer in der Pubertät – die Hormone mögen dabei durchaus eine Rolle spielen, nicht nur bei den Frauen. Ich nehme mich selbst da gar nicht aus. Und was der nachgeordnete Intellekt dann da raus machen kann, dafür gibt es und habe ich auch schöne Beispiele, die indes schön hübsch unveröffentlicht bleiben müssen, der Fairness halber und auch um einer Verrohung der Sitten nicht Futter zu geben. Aber ich sage Ihnen …

  3. derdilettant sagt:

    Na, der nachgeordnete Intellekt arbeitet doch nicht für die Schublade, werter Kollege. Raus damit!

  4. Er arbeitet halt noch an der Sublimierung, der nachgeordnete Intellekt, das kann eine Weile dauern, und zwar so lange, bis selbst ich das Ganze nicht mehr wiedererkenne.

  5. bersarin sagt:

    Man muß einmal Emotionen gehabt haben, um dann emotionsfrei, und das heißt der Sache gemäß in der Konstruktion ruhend, schreiben zu können.

    Seien Sie ansonsten froh, daß kein Licht am Ende des Tunnels ist. Denn es könnte genauso der entgegenkommende Zug sein. Das Auge gewöhnt sich ans Dunkle.

  6. Back to black!? Sie haben recht, das Schreiben selbst braucht keine Emotionen – in der Ausführung. Ansonsten meide ich jede Art von Tunnel, seitdem ich mal eine Erzählung Dürrenmatts, ich glaube tatsächlich mit dem Titel ‚Der Tunnel‘, las! Lang ist’s her!

  7. Bersarin, Sie hatten tatsächlich recht, das Licht war ein entgegenkommender Zug!