Monstranzen und wie der Vogel sein Lied singt

Seit gut zwei Jahren sitze ich an einem Text, der gedruckt am Ende nur ein Büchlein von etwa 70 Seiten ergeben wird. Noch eine letzte, intensive Durchsicht, dann geht der Text raus mit der Frage, ob er (in genau diesem einen Verlag) machbar ist. Ich bin gespannt und nervös. Verraten will ich noch so gut wie nichts, nur eine kleine Textstelle, die sich ums Schreiben dreht, soll einen Einblick geben, der allerdings einerseits auf die falsche Fährte führt, denn der Text hat überwiegend erzählenden Charakter, andererseits aber wiederum genau beschreibt, wie ich arbeite, falls das überhaupt jemanden interessieren sollte.

Hier die Textstelle:

Ich schreibe ein Buch. Da bin nicht der Erste und nicht der Letzte. Es gibt natürlich Regeln, darauf ist zu achten, doch die sind denkbar einfach, ganz gleich welche Monstranz der ein oder andere Schriftsteller vor sich her tragen mag. Ein Sören Kierkegaard etwa schreibt in seinem mit Vigilius Haufniensis gezeichneten Vorwort zu Der Begriff Angst von 1844, nach seinen Begriffen tue derjenige, der ein Buch schreiben wolle, gut daran, in beachtlichem Ausmaß über die Sache nachzudenken, über die er zu schreiben vorhabe. Auch solle er lesen, was zuvor dazu geschrieben worden ist. Daraufhin könne er dann unbekümmert sein Buch schreiben, so wie der Vogel sein Lied singt. So weit, so richtig, wenn auch ich in kleistscher Weise eher dazu tendiere, einen Teil des Notwendigen gleichzeitig ablaufen zu lassen und zudem auch in längst Geschriebenes nach Jahren nochmals einzugreifen, etwa einer zuvor nicht gewussten, dann aber dennoch ausgeführten Idee wegen, die rückwärts verfolgt einige Korrekturen in der Tiefe des Textes verlangt.

Und das hier soll auch noch drin sein im Büchlein:

Norbert W. Schlinkert. riverrun. 7/93.

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