Die Literaturblase

Es gibt Zahlen und Statistiken – und die verlangen Gläubigkeit. Die meisten der ja immerhin veröffentlichten Romane verschwinden unerhört und kaum gelesen in der Versenkung, das sagte mir vor einer Weile eine Schriftstellerin, deren erster Roman im Moment auf dem Markt ist, das habe sie recherchiert. Zahlen spuken mir also im Kopf herum, wonach etwa 95 % der Leser nur 5 % der Buchtitel kaufen und lesen, der ganze Rest aber unter „Ferner liefen“ vergessen werden kann. Was also tun? Sollte man überhaupt noch Bücher schreiben, die es niemals in die Bestsellerlisten schaffen können, nach allem was man weiß? Selbstverständlich nicht, denn man muß von etwas leben, der Tag hat nur 24 Stunden und natürlich droht die Altersarmut, das jedenfalls sagen die Schlauen und Pfiffigen und Pragmatischen. Wie sehr sie dabei versuchen, ihren Neid sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr sie ihr Leben als ein eigenes behaupten und verteidigen, das wäre allerdings schon eine kleine Erzählung wert, ja vielleicht sogar einen Roman, der sich dann aber wohl nicht besonders gut verkaufen würde. Was also tun?

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2 Antworten auf Die Literaturblase

  1. vor der frage was zu tun ist, stellt sich m.m. nach die frage, was schreiben bedeutet, was literatur ausmacht. natürlich ist es wahr, dass viele schlechte bücher hohe verkaufszahlen erzielen, und vermutlich noch mehr gute bücher weitgehend ungelesen bleiben. dennoch bleibt die frage: was ist literatur? was ist das ziel des schreibens?
    für mich ganz persönlich ist literatur ein unentwegter dialog, in dem auch [und häufig gerade!] die kleinen stimmen zählen. also wenn es ihnen wirklich ein anliegen sein sollte, schreiben sie diesen roman über die kleinen neider und vielleicht schafft er es nicht in die bestsellerlisten, aber möglicherweise in die köpfe und herzen einiger weniger. und was dann für sie zählt, ist eine frage, die nur sie selbst [die nur jeder schreibende mensch selbst und ausschließlich für sich] beantworten kann.

  2. Für mich ist das Schreiben über die Jahre immer mehr zu einem Grundbedürfnis geworden, das zwar quersteht zu anderen Grundbedürfnissen, dennoch aber nicht infrage gestellt werden kann. Mit einem guten Buch, mit dem man auch gutes Geld verdient, machte man die unterschiedlichen Grundbedürfnisse aber sicher zu besten Freunden. Doch Sie haben recht, das wirkliche Anliegen steht absolut im Vordergrund, auch wenn ich den angesprochenen Neidern keine Hauptrolle in meinen Texten widmen werde, denn sie tauchen natürlich ohnehin auf und drängen sich in alles hinein mit ihrem Neid. Gestern habe ich übrigens nach dreieinhalb Jahren Arbeit die erste Fassung eines Romans fertiggestellt, in dem das gedeihliche Miteinander durch allerlei niedere Triebe nachhaltig gestört ist, eben weil die „kleinen Stimmen“ sich einmischen und ganz zu recht gezählt sein wollen. Würde das reibungslos funktionieren können, käme nicht das Allzumenschliche ins Spiel, hätte man sicher keinen Grund, Romane oder Theaterstücke oder was auch immer zu schreiben. Also schreiben wir.

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