Selberleben

Mit Befremden sah ich als ganz junger Mensch, daß Söhne das Leben ihrer Väter noch einmal lebten. Sie lernten den Beruf des Vaters, um dessen Geschäft oder Betrieb zu übernehmen, einige bekamen sogar den selben Spitznamen verpaßt, Ömmes, Menne und so weiter, dann kam die Frau, dann wurden Kinder gemacht etc. pp. Dieses Befremden dürfte wohl einer der Gründe gewesen sein, aus meiner Geburtsstadt zu verschwinden. Eines Tages ging ich die Fußgängerzone dieser kleinen Stadt hinunter, das war noch bevor die Pannekaukenfrau dort ihren verdienten Platz bekam, als mich diese Eingebung traf: Du kannst hier weggehen, Du wirst hier weggehen! Da war ich etwa 16 oder 17 Jahre alt. Keine Frage, von da an hatte mich die Verweigerungshaltung gepackt wie andere die Religion oder der Ehrgeiz. Auch heute sehe ich im Freundes- und Bekanntenkreis einige, die am Ende dann doch das Leben der Altvorderen in gewisser Weise wiederholen, obwohl sie eigentlich schon weg waren und nicht hätten zurückgehen müssen. Ich fand meine Haltung dann natürlich bestätigt, als ich Joyce, Beckett und Musil las, die alle eine bürgerliche Karriere verweigerten, um letztlich künstlerisch zu arbeiten, um Schriftsteller zu sein. In Ein Porträt des Künstlers als junger Mann von James Joyce heißt es über Stephen Dedalus: „Er war dazu bestimmt, sich seine eigene Weisheit zu erwerben, fern von anderen, oder die Weisheit anderer für sich selbst zu erwerben, indem er sich zwischen den Fallstricken der Welt hindurchschlängelte.“ (S.199) Ich finde, das hört sich doch geradezu selbstverständlich an!

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