Zwischen Zentrum und Peripherie

Ich blättere wieder mal in Friedrich Hebbels Tagebuch. „Nach der Seelenwanderung ist es möglich, daß Plato jetzt wieder auf einer Schulbank Prügel bekommt, weil er den Plato nicht versteht.“ (Nr. 1745) Später schreibt Hebbel dann: „Ein Wesen, das sich selbst begriffe, würde sich dadurch über sich selbst erheben und augenblicklich ein anderes Wesen werden. Das wunderbarste Verhältnis ist das zwischen Zentrum und Peripherie.“ (Nr. 2454) Das heißt natürlich nichts anderes, als immer in Bewegung zu bleiben, sich Fragen zu stellen, ihnen nachzugehen, auch Antworten zu versuchen, obwohl man weiß, daß es nie vollkommene geben kann. Descartes meint in etwa das gleiche mit seinem cogito ergo sum, während Kant den Menschen auffordert, sich aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien. Das alles ist jedenfalls eine lebenslange Aufgabe, es erfordert gegenwärtiges Denken und Handeln, aber auch eine Vorstellung davon, wo es hingehen soll. Doch auch dafür weiß das hebbelsche Tagebuch Rat: „Der große Mensch“, lese ich, „ist allenthalben der Fernseher; aber freilich nicht unter Ochsen und Eseln.“ (Nr. 1743)

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