Dem Roman seine Überarbeitung IV

Bis jetzt ist alles sehr interessant. Als zweite Hauptperson schält sich nach und nach, wenn ich mich mal in die Lage eines Lesers versetze, ein noch kleiner Mensch heraus, der irgendwann mit der anderen Hauptperson, dem kleinen Menschen aus dem ersten Kapitel, zusammentreffen muß. Doch wie, wo und warum? Ich als Autor weiß es natürlich so ungefähr, am besten aber weiß es der Text, den ich, ihn überarbeitend, befrage. Die Antworten des Textes sind dabei selbstredend nur vorläufige, denn wer weiß schon, was ich, kraft meiner Wassersuppe, noch alles verändern werde. Es läuft also gut, das mit der Überarbeitung, wenngleich ich mich dabei selbst nicht gut fühle, nicht gut fühlen kann, denn es ist eben alles sehr diffizil, ein Hochseilakt ohne Netz. Neben der Stimmigkeit der Handlung und der Motivlage ist natürlich auch das Sprachliche zu beachten, denn ich schreibe noch hier und da etwas dazu, kleine Beobachtungen, die die Handlung verorten und eintakten, so etwas in der Art wie ein Blick zum schiefen Kirchturm hin – doch das muß alles genau passen, also präzise gesetzt sein. Dabei bin ich durchaus kein Als-ob-Autor, dem zu jedem Pups etwas Gleichnishaftes einfallen muß, damit bloß der Ton stimmt. Eigentlich schreibe ich Gleichnishaftes sogar nur dann auf, wenn es einer handlungstragenden Person ohne mein Zutun einfällt – denn sonst bekommt der Text Löcher und die Dichte geht verloren, und das kann ja wohl niemand wirklich wollen.

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