Milieufragen

Ich frage mich oft, ob ich mich in einem Milieu bewege. Ob ich einem Milieu angehöre. Und wenn ja, welchem? Die Frage kam mir heute morgen wieder mal in den Sinn, als ich das Foto in der Süddeutschen Zeitung sah, das die Siegesfeier des Grünen Fritz Kuhn zeigt, der nun Oberbürgermeister von Stuttgart ist. Im Vordergrund ist der strahlende Held zu sehen, hinter ihm dichtgedrängt Pressefritzen und die kuhnschen Anhänger, von denen drei untertänig Glückliche vorgefertigte DANKE-Plakate hochhalten. Kurz gesagt: da kam mir das Frühstück wieder hoch! Nicht etwa, daß es unwichtig ist, ob nun CDU-Spießer oder Grünen-Spießer die Macht innehaben, den Grünen nimmt man immerhin noch ab, am wenigsten korrupt und demokratiegefährdend zu sein, doch zum Klatschvieh von Machtmenschen, das war mir schon immer klar, möchte ich jedenfalls nicht gehören, was mich per se aus allen politischen Milieus ausschließt, scheint mir. (Kuhn hat sich übrigens auch mit einem herzerfrischenden DANKE bei den Wählern bedankt.) Ich habe mich auch nie, nicht einmal aus Neugierde, zu Wahlkampfveranstaltungen hinbewegt, auch nicht, als vor fünfzehn Jahren alle Joschka Fischer unbedingt goebbelsmäßig brüllend erleben wollten, um endlich den Kohl wegzuhaben. Da ging ich doch lieber zu der „Parteigründung“ des Christoph Schlingensief, das war wenigstens echtes Theater, auch wenn es nicht so aussah. Allerdings, zum Theatermilieu gehörte ich auch damals schon nicht, ebensowenig wie ins geisteswissenschaftliche Milieu, obwohl es von außen vielleicht so erscheinen mochte. Und heute? Nun, ich gehöre nicht zum Blogger-Milieu, wenn es das überhaupt gibt, womöglich aber zum Schriftstellermilieu, denn das der Schriftsteller gibt es ganz sicher – nun, denke ich mir, vielleicht bewege ich mich tatsächlich irgendwie in ihm, so jedenfalls scheint es mir manchmal. Oder täusche ich mich? Wahrscheinlich schon.

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