Da hattse recht, doch was nütztes?

In einem Artikel zum Münchner Literaturfest wird Thea Dorn zitiert: „Um 1800 gab es einen Höhenflug der Künste. Wir wollen überprüfen, was von der Tradition der deutschen Romantik noch übrig ist und wo man anknüpfen kann.“ Das Programm des Literaturfestes verstehe sich als Protest gegen den „schmalen Anspruch“ eines von Wiedererkennbarkeit und biographischer Beglaubigung geprägten Literaturbegriffs, den Dorn als „Verarmung“ bezeichnet, ja als „Irrweg“. (Christopher Schmidt: „Zickenkrieg der Lobbyisten“, Süddeutsche Zeitung, Printausgabe, Freitag, 16. November 2012, S.14.) Recht hattse, doch am Ende werden die großen Verlage und Konzerne sich im Zweifelsfall doch wieder für die klar realistische deutschsprachige Literatur entscheiden, weil sie das tatsächlich für den Markenkern der deutschen Literatur halten, und dann andere Literaturen (zum Beispiel aus Lateinamerika) einfach zukaufen, die einen anderen Markenkern haben. So läßt sich der Niedergang der deutschsprachigen Literatur natürlich nicht aufhalten, aber das hat ja auch niemand ernsthaft vor, jedenfalls niemand von denen, die bei den großen Verlagen, die mit den dollen Backlists, den Lauf der Dinge bestimmen. Schließlich geht es ja nicht um Kunst, sondern immer mehr nur um’s Geschäft, und zwar immer und überall. War ja nie anders, könnte man sagen, doch da erhebe ich sicherheitshalber mal Einspruch, auch wenn das nichts nützen wird in einem Land, in dem nach und nach wirklich alle Lebensbereiche industrialisiert und genormt werden. Trotzdem gilt weiterhin: 

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