Schreiben und Gelesenwerden

Ich denke oft darüber nach, wo die Wege sich kreuzen, die des Schreibens und die des Gelesenwerdens. Alban Nikolai Herbst beispielsweise weist immer wieder zurecht darauf hin, daß viele Schriftsteller imgrunde für eine Elite schreiben, die beim Lesen gleichsam angemessen mitzuarbeiten willens und auch in der Lage ist, was aber sicher nicht weiter schlimm wäre, würde diese Gruppe nur angemessen groß sein – ist sie aber nicht. Einiges gilt auch ohne jeden Grund als schwer zu lesen, vor allem die „Klassiker“, ob nun Kafka, Thomas Mann oder Dostojewski, obwohl der Leser nichts weiter tun muß, als dem Text aufmerksam zu folgen, so wie der Wanderer einem Weg folgt. Vielen Menschen wird die Lektüre anspruchsvoller Texte wohl auch durch den Deutschunterricht mit seinem ganz und gar fehlerhaften Ansatz verdorben, doch da kann man nichts machen, zweihundert Jahre vergeblichen Reformeifers sprechen eine klare Sprache. Dazu kommt ein in weiten Teilen der Bevölkerung verbreiteter Kunst- und Künstlerhaß, der einerseits gespeist wird aus der Unkenntnis, wie und mit welch immensem Aufwand Kunst aller Sparten hergestellt wird, und der andererseits vielleicht immer noch herrührt aus dem Mißbrauch der Kunst im Faschismus und Kommunismus. Gedanken über Gedanken, noch dazu zwischen den Jahren fabriziert, die alle nicht weiterführend sind, denn es ist ja trotz allem ein ewiger Kampf, eine Sisyphosarbeit, dieses Schreiben, ob man nun einige wenige Leser hat oder viele.

 

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2 Kommentare zu Schreiben und Gelesenwerden

  1. Franz sagt:

    Wer bestimmt wer die Elite ist? Jemand der Kommas richtig setzen kann, um ein einziges Beispiel zu nennen? Wie wäre es dann, wenn diese Elite auch ganz im geheimen nur für sich schreiben würde, damit die Dummen nicht Gefahr laufen es mitzubekommen und es eventuell zu lesen. Denn stellen Sie sich vor, wir Dummen führen ein seltsames Leben, wir stehen auf und lesen Kafka, was wir gar nicht dürfen, da wir es ja nicht verstehen, doch können wir Dummen uns nichts besseres vorstellen, dumm nicht wahr?

  2. Nunja, die Schreibenden (und auch die Künstler anderer Fachrichtungen) sind sicher keine Elite, sondern Fachleute fürs Schreiben (oder fürs Malen, Tanzen, Filmen, Singen usw.), während sich die „Elite“ der Leser (denn von der sprach ich), also diejenigen, die auf einem hohen künstlerischen Niveau folgen können und wollen, einfach als solche herausbildet und eben nicht von außen bestimmt wird. Bedauerlich ist in erster Linie, denke ich, daß Kunst so vielen Menschen vermiest wird, indem eben behauptet und vermittelt wird, man gehöre nicht zu denjenigen, die daran Anteil nehmen dürfen oder können. Da ich selbst in einer Umgebung aufgewachsen bin, die man durchaus zwar nicht als bildungsfern, aber als kunstfern bezeichnen kann, weiß ich, daß man sich als Einzelner die Freiheit, Kafka und wen auch immer zu lesen, einfach nehmen muß, wenn man denn Lust dazu hat.