Lebenslesezeit

Literarisch betrachtet ist der Frühling eine hoffnungsvolle Zeit – so begann ich vor einer Weile einen Beitrag und brach ihn ab, worauf er in den Entwürfen landete. Also keine Ahnung, was ich sagen wollte, wäre wahrscheinlich sowieso der übliche Blödsinn gewesen. Das war’s dann auch schon, oder wäre es gewesen, wenn mir nicht eben eingefallen wäre, daß ich nach Döblins Wallenstein ein Buch lesen will, auf das ich mich freue, eine Wiederveröffentlichung, nämlich Die erbeuteten Frauen. Sieben dramatische Geschichten von Johannes Urzidil, erschienen im Elsinor Verlag. Die Erstausgabe erschien 1966, es gilt also, literarisch mal wieder eine Zeitreise anzutreten, die all jene nicht tun können, die sich ausschließlich mit der „aktuellen“ Literatur zu beschäftigen haben – eben diesen Zeitgenossen möchte ich hiermit mein Bedauern aussprechen, ich bemitleide sie ganz herzlich, denn die Lebenslesezeit ist ja schließlich begrenzt wie alles andere auch, selbst wenn ich nicht abstreiten will, daß es 1) auch unter den Neuerscheinungen gute Literatur gibt und auch mir 2) am Ende etwas Lesenswertes verloren gehen wird. Ich wünsche einen schönen Lesefrühling!

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