Kompatibilitätsberichtsveröffentlichung 1

Nachdem zuletzt noch die Sonne mir in die Küche lachte und meinen emotionalen Genickbruch mit einem samtenen Tüchlein bedeckte, ist heute wieder die weiße Schnee-Hölle angesagt, worauf ich einfach bis zum Mittag im Bett blieb, nachdem ich des nachts einen äußerst interessanten Traum hatte, bizzar, expressionistisch, komisch, spannend, alles drin, könnte man sagen. Wer mich kennt, der weiß, daß ich das überhaupt gar nicht kann, im Bett liegenbleiben nämlich, weil ich eigentlich immer zur Tat schreite und immer tätig bin. Also an alle, die mir bisher immer vorgeworfen haben, nicht einmal im Bett liegenbleiben zu können: es ist mir heute gelungen – man lernt ja nie aus. Imgrunde aber war ich sogar im Bett nicht untätig, weil ich mir ja im Halbschlaf diesen Traum noch einmal verinnerlichte, in dem ich tatsächlich trotz aller Schrägnis verbunden war mit den Ereignissen, kompatibel mit ihnen war, sie auf irgendeine Weise im Griff hatte, selbst wenn sie mich überraschten und ich oft unbeachtet herumstand und mich niemand erkannte, obwohl ich alle erkannte, die da in diesem seltsamen Haus auftauchten, in das ich nach langer Reise geriet. In der wirklichen Wirklichkeit dieser Tage habe ich dieses Gefühl überhaupt nicht, nämlich etwas im Griff zu haben und die Nichtbeachtung zu meistern, spannend also, daß ich mir selbst diese Vorstellung schickte – Dank dafür! Wie, würde nun manch einer fragen, ist sich selbst zu danken nicht doch sehr selbstbezüglich, ja, schon, würde ich antworten, doch so macht das der Künstlermensch nunmal, sich selbst am Schopf aus dem Sumpf ziehen, so wie das Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen so überaus treffsicher beschrieb. Also ziehe ich mich aus dem Sumpf, in den ich hineingeriet, nicht mit Absicht natürlich, wenn auch nur in der Art unschuldig, wie ich es mir selbst nie zugestehen würde, schließlich bin ich ja kein Spielball des Schicksals, wie ich hoffe, auch wenn ich im Moment wohl besser in den Sumpf als in andere Landschaften passen mag, in die mich niemand freiwillig hineinließe, um das mal so kryptisch wie möglich auszudrücken, denn dem seit der Einführung der Ohrenbeichte im 13. Jahrhundert herrschenden Zwang zum Geständnis kann ich mich zwar nicht vollkommen entziehen, ihn aber doch hintertreiben, dem ganzen Öffentlichkeits- und Psychologiegedöns zum Trotz! Ach ja, an alle, die jeden verdammten Werktagsmorgen um fünf oder sechs Uhr oder wann auch immer aufstehen müssen und die sich fürchterlich aufregen über solch faules Künstlerpack: ich habe selbstverständlich in meiner Freizeit im Bett gelegen, die Arbeitszeit verbringe ich zumeist am Schreibtisch. Also, ganz ruhig bleiben, tief atmen! So, nun aber genug geschwafelt, auf zum Gefecht, auf daß es mir am Ende einbringen möge, wieder einigermaßen kompatibel zu sein, mit was auch immer.

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2 Responses to Kompatibilitätsberichtsveröffentlichung 1

  1. phyllis sagt:

    Schöne Lampe!

    Aus dem eigenen Sumpf um Erleuchtung ringend,
    herzlich,
    Phyllis

  2. Das ist ja, liebe Phyllis, nicht die Lampe selbst, sondern nur der Schatten derselben, worauf ja schon Platon in seinem berühmten Lampengleichnis hinwies.