Worte & Daten oder: Donald Duck als lebendes Schutzschild

Was soll man dazu sagen? Oder vielmehr: schreiben? Am besten nix, Feind liest mit, denkt man, während man ja andererseits mittendrin steckt in der Weiterführung und Neuentstehung von Mythen, denn der Fall des Flüchtlings Edward Snowden hat durchaus das Potential, die Vereinigten Staaten von Amerika auch dem letzten Naivling als das zu präsentieren, was sie sind, nämlich die mit allen Mitteln um Weltherrschaft ringende Großmacht. Das kennt die Menschheit schon. Sicher, das haben rußlandverliebte Hinterzimmerkommunisten schon immer gesagt, während naiv-dümmliche West-Berliner nur so vor USA-Liebe dahinschmolzen, weil sie aus Versehen mitgerettet worden sind – doch nun ist alles klar: der große Bruder steht nackt da in all seiner Gewalt – und der kleinere mit Namen Großbritannien übrigens auch. Wir hier in den Prenzlauer Bergen haben ja relativ viele us-amerikanische Mitbürger, was man am ehesten mitbekommt, wenn man bei gutem Wetter spazierengeht, denn da mutet es an, als säßen vor jeder Kneipe Daisy Duck und Donald Duck und quakten ausdauernd über Börlinn. Natürlich reden hier alle nur über die Stadt, in der sie leben, die US-Amerikaner sind allerdings ein besonderer Fall, denn sie schützen, als lebende Schutzschilde, uns Eingeborene vor dem Beschuß durch Drohnen, was also heißt, daß wir den US-Amerikanern schon wieder einmal dankbar sein müssen. (Seltsam, oder? Wie kriegen die das nur hin?) Aus Versehen mitgerettet – wie peinlich! Doch man sollte natürlich realistisch sein, denn so eine Weltmacht holt Staatspräsidenten vom Himmel und macht überhaupt meistens das, was dort schon immer üblich war, erst aufhängen nämlich, und dann der Prozeß. Was also tun? Sich ein Vorbild nehmen an Edward Snowdon und wenigstens sagen, was man denkt und was man für richtig hält (denn wissen tut man zum Glück ja nix), gerade auch aus deutscher Verantwortung heraus, oder sich den Arschkriechern in CDU und SPD anschließen und nun ganz amerikafreundlich behaupten, Snowdon wäre kein politischer Flüchtling, während sie andererseits diejenigen, die eindeutig in krassester Weise gegen deutsche und europäische Gesetze verstoßen haben, nicht einmal als Kriminelle benennen. Ich persönlich hoffe ja auf die wenigen Aufrichtigen, die es immer gibt und von denen wir in Deutschland immer zu wenige haben, und wenn wir sie haben, werden sie totgeschlagen oder totgeschwiegen oder von ihrer eigenen Partei, wie im Falle Willy Brandt, kaputtgemacht. (Die SPD hat, zum Beweis ihrer Haltung, in ihrer Parteizentrale eine Standbild Willy Brandts, bei dem wohl kaum jemand nicht an die us-amerikanische Sitte des Teerens und Federns denkt). Naja, aber was rege ich mich auf, die Hauptsache ist doch, daß wir uns alle nun eine Schere in den Kopf einbauen, damit wir bloß nicht auffallen mit Worten und Daten, etwa durch das Benutzen von Begriffen, die die Weltmacht zum Mitlesen geradezu verpflichtet, also: Edward Snowdon, USA, Großbritannien, Drohnen, Daisy Duck, Donald Duck (Grüße übrigens, weiter so!), lebende Schutzschilde, West-Berlin, Willy Brandt, Kommunisten, Rußland, Prozeß, Eingeborene, Weltmacht, Staatspräsident, Himmel …

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4 Responses to Worte & Daten oder: Donald Duck als lebendes Schutzschild

  1. Angesichts der Erkenntnisse allein der letzten Jahre (zum Beispiel auch über eine Art Geheimdienst, den die CDU/CSU nach der Wahl Willy Brandts einrichtete, weil man ja nun nicht mehr den Finger drauf hatte) kann man natürlich nicht wirklich sagen, man wüßte nix. Die Konsequenz daraus ist aber zum Glück nicht die, von den US-Amerikanern quer über den Planeten verfolgt zu werden, weil die Länder, denen man nützliches Wissen brachte, einen nicht aufnehmen wollen, weil sie Angst vor den USA haben.

  2. derdilettant sagt:

    Der Gipfel dieser Angelegenheit, soweit medial erlebbar, war für mich Obamas Satz, die Geheimdienste der Welt arbeiteten daran, die Welt besser zu verstehen. Oder so ähnlich. Eine dieser Beschwörungsformeln, wie sie ähnlich auch global operierende Unternehmen verwenden um die Tatsache, dass sie maximal Geld scheffeln möchten, zu mystifizieren. (Wir glauben, dass unsere Produkte die Welt besser machen etc. ) Opium fürs Volk funktioniert heute besser als zu Marx‘ Zeiten. Soll ja auch nicht einer glauben, dass der geballte Hirnschmalz unserer wissenschaftlichen Elite nicht auch in die stetige Vervollkommnung manipulativer Mechanismen fließt…

  3. So sieht’s aus! In der Schule habe ich ja so gut wie nichts gelernt (70er-, 80er-Jahre in NRW), aber einmal kam der Unterschied zwischen Bedarf und Bedürfnis zur Sprache, wobei das Wecken des letzteren in erster Linie demjenigen Vorteile bringe, der weckt. Aha, dachte ich, das ist ja interessant! Die heutige Mystifizierungsindustrie verknüpft jedenfalls mehr und mehr Bedarf und Bedürfnis, indem sie Abhängigkeiten schafft, die sie mit Glaubensritualen verbindet: wer z. B. nicht bei Facebook ist, der ist einsam, der darf an der gemeinsamen Messfeier nicht teilnehmen. Also, komm zu uns, schließ Dich an, bring Deine Daten in die gemeinsame Sache ein! Tja, und um das alles zu gewährleisten und zu sichern, müssen die Mächtigen eben viel über ihre Jünger wissen, denn Wissen ist Macht und Macht ist Wissen. Geld, Rohstofferlangung, Transportwegesicherung usw. spielen dabei natürlich auch eine Rolle, was unser Bundesgauckler alles mit dem schönen Wort FREIHEIT zusammenfassen würde. Also alles in bester Ordnung!