In die Tonne gekloppt

„Was?!“ Ganz und gar scharf wurde dieses Wort mir entgegengezischt. „Was hast Du getan?!“ Ungerührt lächelte ich mein Gegenüber an, eine schmallippige, dürre Zicke. „Ich hätte den Mist auch verbrannt“, sagte ich, „aber dazu war keine Gelegenheit, und da ich nicht wollte, daß irgendjemand diese Bücher in die Hand bekommt oder sie gar liest, habe ich sie in die Tonne gekloppt, und zwar nicht in die Papiertonne, das erschien mir unethisch.“ Das mit dem Unethischen war natürlich ein Witz, der nicht fruchten konnte. „Wie kann man denn als Deutscher“, preßte sie hervor, „Bücher vernichten?“ Ich klimperte mit den Augendeckeln. „Wie jeder andere Mensch auch“, erwiderte ich, „indem man sie zerreißt, zerschreddert, verbrennt, aufweicht, in Säure auflöst, als Klopapier benutzt oder eben in die Tonne kloppt.“ Schweigendes Kopfschütteln. „Willst Du wissen, welche Bücher das waren, die ich vernichtete?“, fragte ich nach einer Weile. Nö, wollte sie nicht.

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