Spießerfrauen, die ihre Männer nageln

Ein Paradies für Künstler aller Art und Sorten, diese Prenzlauer Berge! Jetzt, heute! Sicher, vor 20 oder auch noch vor 15 Jahren sah es mehr aus wie eben dieses Paradies, aber da waren diese Horden von Spießern noch nicht da, die heutigentags das häßliche und so notwendige Gegenbild bilden zum Schönen, Wahren und Guten. Und wo fände man diese Spießer am ehesten? Im Bio-Supermarkt, ganz richtig, und seit es in manchen dieser Bio-Supermärkte das ein oder andere leidlich Gesunde billiger gibt als das Ungesunde im Normalsupermarkt, finde auch ich mich gelegentlich dort ein, Ware zu kaufen. Zu bestimmten Tageszeiten, das sei ganz offen eingeräumt, ist das dort auch ganz angenehm, wenn denn die jungen Spießerinnen, deren Gatten zeitgleich brav am Karrieremachen sind, dort ihre Rübchen kaufen, wenngleich ich mich als freier Mann zu nichts weiter hinreißen lasse als zu blinzelndem Blickkontakt, man hat ja schließlich auch noch andere Dinge zu tun. Wenn ich mich aber mutwillig zu falscher Stunde oder gar am samstäglichen Sonnabend von der Arbeit losreiße und an eben diesem Orte namens Bio-Supermarkt nicht nur auf Mütter treffe, sondern auf deren Lebenspartner und mutmaßliche Erzeuger der mitgeführten quengelnden Blagen, dann frage ich mich jedes Mal, wie es diese Waschlappen wohl geschafft haben mögen, ein Kind zu zeugen! Natürlich gucke ich, als Schriftsteller darf ich das, unverfroren jedes dieser Kinder unverwandt an und vergleiche dessen Antlitz mit dem des mutmaßlichen Vaters, imaginiere mir also das Kind ein wenig älter und den Mann daneben ohne dieses Kraut im Gesicht, und siehe da, fast immer ist die müde Lusche da tatsächlich der Erzeuger. Die strenge Frau mit dem harten Blick daneben ist die Mutter, die gemeinhin nicht zu verbergen trachtet, daß sie dieses Kind da ausgetragen, aus sich herausgepreßt und gestillt hat, während ihr Göttergatte nichts weiter zu tun hatte, als in sie hinein zu ejakulieren, wie es seiner Bestimmung gemäß ist und weswegen sie ihn sich ja schließlich einstmals gegriffen hatte. Weswegen sonst! Aber wie fand es statt, dieses Kindermachen der Beiden da!? Das frage ich mich, als Schriftsteller muß ich das, denn wir sind immer auf Arbeit. Besenkammer, Zugtoilette, Balkon, Küche, Büro, Auto, Treppenflur? Mein Blick wandert also von Frau zu Waschlappen und von Waschlappen zu Frau, immer hin und her und her und hin, und schließlich, kurz bevor mich beide freundlich grüßen könnten, steht mir das Bild deutlich vor Augen: sie hat ihn, nicht er sie, das ist mir plötzlich klar, nämlich gefickt, genagelt, gevögelt, ihn umstandslos um sein Ejakulat erleichtert, und zwar im Bett, bei geschlossenen Vorhängen, direkt nach der heute-show im ZDF am Freitagabend, und nicht einmal einen Orgasmus vorgetäuscht hat sie, wozu denn auch, und danach hat sie dann zehn Minuten Kopfstand gemacht, ihr Gefäß verstöpselt und sich neben ihren schlafenden Schlappi gelegt, imgrunde schon schwanger und glücklich. Ja, denke ich, so muß das wohl gewesen sein, das sagt mir meine Eingebung, dann grüße ich die glücklichen Eltern, sehe das Kind böse an, schnappe mir meinen trüben Apfelsaft für einen Euro fünfundzwanzig und eile zur Kasse – nur raus hier, schnell!

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