Der nächstbeste Idiot

Da ist doch jeder anders und sich selbst der Nächste, und sei das dann auch der nächstbeste Idiot. Wie ich kürzlich erst schrieb, arbeite ich auch mal, beziehungsweise eigentlich immer, lange Zeit an meinen Texten, fünf, zehn und mehr Jahre, so wie andere Menschen in anderen Berufsfeldern dies auch tun, wenn sie etwa über lange Jahre eine Firma am Markt zu etablieren trachten, Kundenbindungen aufbauen, neue Produkte oder Verfahrensweisen entwickeln und so weiter. So auch ich! Nur eben nicht im Bereich Dienstleistung oder Herstellung von Ge- und Verbrauchsgut, sondern im Bereich Literatur. Unbrauchbares werfe ich irgendwann weg – Brauchbares aber zeichnet sich dadurch aus, dass es lagerfähig ist und nicht schlechter aus der Flasche kommt, als man es hineingefüllt hat. Imgrunde bleibt es sich ja völlig gleich, der Text ändert sich nicht von selbst, während er auf der Festplatte ruht, während aber ich, sein alter Autor, mitnichten unverändert bleiben kann, sondern zwischen innerem Toben und innerer Gemütsruhe sich durchs Leben krämpft, also immer besser wird – in was weiß ich nicht, aber das ist ja auch völlig egal, wenn ich mich nur auf eine Sache konzentriere, also auf das, was ich mit Sicherheit am wenigsten schlecht kann, das Schreiben nämlich. Und da kommt mein alter Herzensroman ans Licht und wird entkorkt, Der Bildermacher, den ich trotz eines Verlagsangebots nicht hab veröffentlichen wollen, denn noch ist er nicht fix und nicht fertig, noch will er noch einmal überarbeitet werden bis ins Wurzelwerk und in die feinsten Verästelungen hinein. Und ja, liebe Leser und Leserinnen, mir ist jetzt schon schlecht! Wirklich, aber das ist ein gutes Zeichen, denn nur mit Leidenschaft Geschaffenes darf dann raus in die Welt, um sich mit anderen Leidenschaften zu paaren, so dass dann aus Text und Verlagsinteresse ein Buch entstehen möge und wird. Packen wir es also an, ich und der mir nächstbeste Idiot!

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