Träschsch – Fortlaufende Miniaturen um Anna, auch Emma (XIV)

Träschsch ist ein alter Text, ein Extrakt aus Der Bildermacher, begonnen 1996 und seitdem in Arbeit, in progress. Ganz anders etwa als Stadt, Angst, Schweigen ist Träschsch aber kein „Fließtext“ wie eben jener, sondern ein gleichsam atemloser, ein in unruhigem Wechsel rhythmisierter Text, ein Gebilde mit Brüchen und Rissen, ein Ich, das schreibt.

<<< zu Träschsch (XIII)

Ich stand auf und schaltete das Licht an, warum weiß ich eigentlich nicht. Ich blickte zu ihr hin. Sie spreizte leicht die Beine und lächelte. Wie von Geisterhand gepackt fand ich mich auf den Knien wieder, den Kopf zwischen ihren Schenkeln, die Zunge zwischen ihren Lippen. Schon hatte sie mich mit beiden Händen am Hinterkopf gefasst und rutschte mir ein wenig entgegen. Ich war bereits in einen anderen Zustand übergegangen, allein meine Geschmacksnerven mussten dem Rest meines Körpers die Lust nur so einprügeln. Ich hörte sie stöhnen, lauter und lauter, plötzlich aber packte sie mich an den Haaren und riss mich in die Höhe, so dass ich vor Schmerz laut aufschrie. Sie sah mich kalt an und stieß mich auf meinen Stuhl zurück. Zieh dich aus, sagte sie. Sie sah mir zu. Als ich nackt vor ihr stand, begutachtete sie mich von oben bis unten und gab meiner Latte einen Klapps. Naja, schien ihr Blick zu sagen, probieren können wir’s ja mal. Nach einer Weile begann auch sie, sich zu entkleiden, ganz ohne Grazie und so, als sei sie allein und obendrein mürrisch oder gelangweilt. Ich starrte auf ihre Schuhe, wagte jedoch nicht, sie zu bitten, sie nicht auszuziehen. Sie bemerkte meinen Blick und zog sie langsam aus. Mich wieder kalt fixierend ließ sie sie fallen. Dann räumte sie in aller Ruhe den Küchentisch ab und legte sich schließlich breitbeinig darauf. Komm schon, sagte sie. Ich drang in sie ein. Sie stöhnte kurz auf und hielt die Augen geschlossen, bis ich zum Orgasmus kam. Ich glitt aus ihr heraus. Sie setzte sich auf, hockte sich im Schneidersitz auf den Tisch und sah mich an. Mein Sperma lief aus ihr heraus und bildete eine kleine Pfütze. Ich kam wieder zu Sinnen. Mein Glied erschlaffte langsam. Sie lächelte. Es sah aus, als warte sie, bis all die Flüssigkeit aus ihr heraus sei. Zögernd begann ich, mich anzukleiden. Sie aber hockte dort und lächelte. Schließlich setzte ich mich auf den Stuhl und betrachtete ihre Muschi. Ich sah sie an wie ein Wunder der Natur, als ein Wunder der Natur. Sie war rot, feucht und geschwollen, in einem Kranz pechschwarzer Haare. Ich sah zu ihr hoch. Sie lächelte. Schön, sagte sie, nicht wahr? Ja, sagte ich. Vor kurzem noch hatte ich in meinem Arbeitszimmer gesessen und ernsthaft an meinem Text gearbeitet. Jetzt saß ich dieser Frau gegenüber. Ich heiße Emma, sagte sie. Arthur, sagte ich.

Ich warte nun auf Emma. Ja. Bald schon wird sie wieder hier sein. Der Bruch mit Anna scheint mir endgültig. Der Tag, als ich den toten Finnen in der Kühltruhe fand! Ich erinnere mich. Der Tag des Brandes, an dem ich unser Haus in Brand setzte, der Tag, an dem ich beschloss, zu sterben. Ist Schreiben eigentlich ein Wettlauf mit der Zeit?

*******

Dieser Beitrag wurde unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentare sind geschlossen.