Hinter den Kulissen

Als Kind hatte ich keine Angst vor Banalitäten, denn erstens kannte ich das Wort nicht und zweitens sie nicht, die Banalitäten. Wenn ich in der Nähe der Wohnung meiner Großeltern in dem kleinen Lädchen in dem Kasten rechts vom Verkaufstresen ein Comic fand, das ich haben wollte, hier kaufte ich meinen ersten Asterix-Band, Der Kupferkessel, dann war dieses Comic mir erschienen, ausschließlich für mich da und absolut einzigartig. Meins! Dass es vom Lädchenbesitzer bestellt und vorher in einem langen Prozess hergestellt, also ersonnen, gezeichnet, koloriert, getextet, gedruckt und gebunden hatte werden müssen, wusste ich nicht, konnte ich auch gar nicht und durfte es also auch nicht wissen – des Zaubers wegen. Dass es aber hinter einer Erscheinung noch etwas anderes geben könnte, erfuhr ich zur etwa gleichen Zeit, Anfang der 1970er-Jahre, dann aber zum Glück auf eine Art und Weise, die mir das Leben hinter den Kulissen schmackhaft machte, nämlich durch Mireille Mathieus Hinter den Kulissen von Paris, auch wenn das Lied banalerweise wiederum die Paris-Kulisse selbst ist, hinter die zu sehen es vorgibt. Hab ich aber alles nicht kapiert, so als kleiner Stöpsel, so dass ich also beschloss, sobald ich groß sein würde, ein Großstadtleben zu führen und das Starren auf die Kulissen den anderen zu überlassen und lieber dahinter zu leben, so wie das heute hier in den Prenzlauer Bergen der Fall ist. Fehlt eigentlich nur noch ein Schlager, der das besingt, aus den Kulissen heraus in die Welt hinein! Mir graust es jetzt schon!

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