[Staccato]

[Ich fang dann mal an. Dazu berufen bin ich nicht, ja ich scheue imgrunde die große Auseinandersetzung, weil ich spüre, dass die anderen auch recht haben. Auf seine Art hat jeder recht. Zu behaupten, ich hätte mehr recht als andere, fände ich unanständig. Sage ich etwa, auch eine Monarchie kann eine Diktatur und Preußen muss fürchterlich gewesen sein, trete ich all jenen auf den Schlips, die sich in einem Wohlfühlpreußenbild eingerichtet haben und Schlösser wieder aufbauen, schöner denn je, mit Heizung und allem Zipp und Zapp. Wer sich allerdings auf den Schlips treten lässt, kriecht bereits im Staub der Geschichte. Mythen werden gemacht, da beißt die Maus kein Faden ab. Der Arbeiter ohne Klassenbewusstsein und der Angestellte ohne Klassenbewusstsein richtet sein Fähnlein nach dem Wind, das war auch in Zeiten der Klassenbewusstseine schon so. Heutzutage weht der Wind aus dem Silicon Valley, da werden Mythen und Waren und Entmündigungen zu abermillionen individuellen Paketen geschnürt und mit dem Wind verschickt, nach dem sich gut haschen lässt, neuerdings. Der digitale Wind ist Sturm. Menschen, die sich zu Nutzvieh machen lassen, werden sich gefallen lassen müssen, wie Nutzvieh behandelt zu werden, also mitleidslos. Die nach Macht Strebenden sind die, die den Menschen alle Selbständigkeit nehmen wollen und nehmen werden. Der produktive Mensch wird durch sein Leben getragen, so lange er Begriffe zur richtigen Zeit am richtigen Platz aufsagen kann. Demokratie, Freiheit, Verantwortung, Ethik und so weiter. Wer die Menschen am effektivsten ermüdet und alles über sie weiß, erringt die höchste Macht. Die Behauptung, Gott wisse alles über dich, wird Wirklichkeit. Ich hör dann mal auf.]

Kommunikation Maschine-Mensch , Norbert W. Schlinkert

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