Clemens Setz hat angeblich keinen Beruf, setzt aber auf einen Trick aus der Tierwelt, um zurecht zu kommen

Clemens Setz schrieb vor einer ganzen Weile: „Es ist unerträglich und lächerlich, ich bin jetzt 31 und habe noch immer keinen Beruf.“ So steht es in seinem Tagebuch, das im vergangenen Jahr als Interviewband erschienen ist, und so sieht er das offensichtlich auch heute noch. Das entnehme ich dem ZEIT-Artikel „Kranke Welt“ von Florian Gasser über die Berufslosigkeit und das Leben des Schriftstellers. Angeregt durch einen der üblichen Online-Kommentare unter dem Artikel stelle ich fest, dass Clemens Setz durchaus einen Beruf hat, vergleichbar mit dem, den ich habe, nämlich Schriftsteller, nur dass Clemens Setz vom Literaturbetrieb, Abteilung Publikumsverlage & Preisvergabe, adoptiert worden ist und ich nicht. Laut dem Bundesverfassungsgericht ist als ein Beruf übrigens „jede auf Dauer angelegte, der Schaffung und Erhaltung einer Lebensgrundlage dienende, Betätigung anzusehen, die nicht schlechthin gemeinschädlich ist.“ (vgl. BVerfGE 7, 377 (397); v. Münch/Kunig/Gubelt, Art. 12 Rn. 8) Clemens Setz ist allerdings offensichtlich, noch ein Unterschied, der Ansicht, ein Beruf müsse wesentlich die pekuniäre Lebensgrundlage sichern, er also ein bürgerlicher Autor ist, während ich seit jeher die sinnvolle Tätigkeit selbst als hauptsächliche Lebensgrundlage betrachte und das Heranschaffen von Geld als nicht- oder allenfalls nebenberuflich, ich also kein bürgerlicher Autor bin und selbst dann nicht werde, sollte mein literarisches Schaffen dereinst auch finanziell meine Lebensgrundlage mitbegründen, was natürlich sehr unwahrscheinlich ist, siehe Adaption von AutorInnen durch den Literaturbetrieb. Sorgen muss sich Clemens Setz jedenfalls durchaus nicht machen, genau so wenig wie sein weiblicher Pendant Ann Cotten. Zwar frisst auch der Literaturbetrieb gemeinhin seine Kinder, doch eben nicht alle und vor allem die nicht, die sich unverdaulich geben, ein Trick aus der Tierwelt, der aber nur wenigen gelingt. Wahrscheinlich hat man’s eben im Blut oder eben auch nicht, da beißt die Maus kein‘ Faden ab. So long, Leute!

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