Corona, Roman und alle Zukunft jetzt

Als selbständiger Schriftsteller nun die vom Berliner Senat ausgelobte Finanzhilfe zu beantragen, ist mir nicht einmal in den Sinn gekommen. Erstens habe ich einen kleenen Nebenjob, der nun allerdings ruht und mir nur das reduzierte Kurzarbeitergeld einbringt, und zweitens glaube ich nicht daran, in Berlin ohne Schmiermittel etwas bekommen zu können. Dass zudem das Geld nicht für alle reichen wird, hat Alban Nikolai Herbst ohnehin kurz mal ausgerechnet, und damit ist die Sache für mich endgültig durch. Bleibt nur zu hoffen, dass möglichst viele von denen, die es unbedingt brauchen, es trotzdem auch wirklich bekommen.

Ich arbeite derweil weiter an der Überarbeitung meines historischen Romans Ankerlichten, und es berührt mich nicht im mindesten, dass die Aussichten, ihn zu veröffentlichen, noch schlechter werden könnten, weil womöglich kleine und mittlere Verlage aufgeben werden müssen angesichts der Corona-Umwälzungen. Und dass ein großer Verlag meinen Roman nicht veröffentlichen wird, war auch ohne Krise immer klar, also auch daran ist kein Gedanke zu verschwenden. Hauptziel ist es allein, den mir bestmöglichen Text herzustellen, und einen Privatdruck für meine treuen Leser soll es ja auf jeden Fall geben. Das Schöne übrigens an der Arbeit ist nicht zuletzt die Epoche, in der mein Roman sich abspielt, um 1700 nämlich, denn naturgemäß gab es zu dieser Zeit nicht einen Bruchteil der uns Westlern noch bis vor kurzem so gewissen Sicherheiten, eine Zahn- oder Blinddarmentzündung konnte das Ende bedeuten, ebenso wie eine Hungersnot, eine Seuche oder ein Krieg, ein Überfall auf Reisen, ein Schiffsuntergang und so weiter. Eine Folge des daraus sich ergebenden Bewusstseins des Hier & Jetzt war, dass niemand auf die Idee kam, eine Arbeit unnötig zu verschieben. So gesehen ist nun eine Zeit der Konzentration angebrochen, auch wenn sich jeder Einzelne (m/w/d) sicher sein darf, dem Corona-Virus nicht zum Opfer zu fallen. Wäre ja auch zu blöd, jetzt, wo doch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft so schön zusammenfallen, ja geradezu implodieren. Also, auf ein mehr oder weniger fröhliches Schaffen!

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