Der Sommer ist dem literarischen Schreiben derart abträglich, dass es nicht einen einzigen im Sommer geschriebenen Text zu diesem Umstand gibt. Nur im Winter verfasste Texte, die aber das Gegenteil behaupten, wonach der Sommer eine so gute Zeit sei, Bücher zu schreiben. Mitnichten! Von grob gesagt Juni bis August ist Schreiben von Literatur aufgrund von Unmöglichkeit eingestellt. Apropos August. Ich lese zurzeit, Lesen geht nämlich im Sommer meist ganz gut, den dritten der August-Romane von Knut Hamsun, Nach Jahr und Tag, und damit auch den für mich letzten all der gut zwanzig Romane von Hamsun, die ich nicht exakt in der Reihenfolge ihres Entstehens gelesen habe, aber immerhin so ungefähr. Fünftausend Seiten Hamsun, da hat man einiges Lesevergnügen, das kann ich Ihnen sagen! Die Hamsun-Lektüre ist in jedem Fall beträchtlich weniger langweilig als die eines Thomas Mann, von dem ich aber unmöglich alles lesen konnte, wobei immerhin der Zauberberg auch beim zweiten Lesen ein gutes Buch blieb und thematisch in (Vor-) Kriegszeiten auch durchaus aktuell. Wie kam ich drauf? Ach ja, der unerquickliche Sommer samt dem August, der aber dann zum Glück wenigstens viele schwarze und auch schon wieder längere Nächte hat als der Juni und der Juli. Natürlich ließe sich einwenden, ich könne doch den Sommer nutzen wie andere Menschen auch, sprich Ferien machen, Urlaub, doch was das Hänschen nicht lernt, lernt der Hans nimmermehr. So sagt man, und zwar ganz richtig. Abhilfe jedenfalls ist nicht in Sicht, da mache ich eben einfach nix, während der arme Thomas Mann ja sogar, während seine Familie in der Sommerfrische weilte, zumeist weiterhin arbeiten musste, schreiben, schreiben, schreiben, da gibt es für Großschriftsteller keinerlei Chance zu entkommen, die Welt nämlich harrt der Bücher, die da angekündigt worden sind. So gesehen darf ich mich gar nicht beschweren mit all meiner Freiheit, denn ich bin, so schreibt zumindest Daniel Ketteler im Nachwort meines baldigen neuen Buches, „ein gleichsam armer Poet mit einem reichen Innenleben“ – doch dazu dann mehr, wenn ich mich von diesem hier vorliegenden anstrengenden Sommerschrieb erholt haben werde. So long!
Das Sommerlos
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