Aprilbrief 2010

Der April beginnt mit dem Ersten, und das ist kein Scherz!

Auch kein Scherz ist es, dass ich den ersten April nicht mitbekommen habe, wahrscheinlich weil die ganze Zeit Ostern war, denn da ging es wie jedes Jahr um Schokoladeneier und wie ihnen am besten auszuweichen ist. Da is(s)t man vollauf beschäftigt. Aber nach all den gebratenen Osterhasen, die einem in den Mund gesprungen sind, geht es jetzt normal weiter, so dass die Prenzlauer Berge bald wieder ihre volle Bevölkerungsdichte erreicht haben werden (= überall Leute!). Es ist nämlich so, dass sich die Prenzlauer Berger von dannen machen, wenn Feiertage anstehen, um sich so auch mal außerprenzlauerbergisch komisch zu benehmen. Da kann man dann auch mal motzen, denn das tut der Prenzlauer Berger, im Gegensatz zu den Sonstberlinern, gemeinhin nicht, denn so toll wie in den Prenzlauer Bergen ist es nirgendwo, auch nicht in Bielefeld. Aber der April ist ja ohnehin ein seltsamer Monat.

Das ist ja alles so sinnlos, einerseits, während dieses Alles ja andererseits vor lauter Sinn nicht ein noch aus weiß. Nehmen wir einmal das Einkaufen, da geht man durch lange, gut beleuchtete Gänge und fragt sich, wer das alles fressen soll. Fragt man sich doch, oder? Und einfach nur mal so Nahrung zu sich nehmen geht ja auch ganz und gar nicht, da muss natürlich die Glotze laufen, denn mit vollem Mund spricht man nicht. Mmpf. Oder man liest die Zeitung, gerne auch mal online. Natürlich könnte man auch einfach mal die Wand ansehen, beim Essen, oder seine Hände beobachten, wie sie das Zeuchs zusammenschieben, um es dann in das große Kopfloch zu befördern. Mmpf. Un- oder antimediale Nahrungsein- oder aufnahme funktioniert wahrscheinlich nur noch in Gaststätten, in denen kein Fernseher läuft, also nur noch hie und da und auch sicher nur in Deutschland und Nordkorea, gäbe es dort Gaststätten. Vielleicht hätte man nicht das Rauchen sondern das Fernsehen in Gaststätten mit einem Angebot an Festnahrung verbieten sollen, ich meine ja nur, wegen der Gesundheit. Man muss eben höllisch aufpassen bei dem, was so alles in den Kopf reingeht.

Jetzt niesen sie wieder, die Heuschnupfis, und das ist auch gut so. Stärkt die Volkswirtschaft, denn der Umsatz von Mittelchen und Papierschnupftüchern steigt. Das sollte immerhin ausreichen, den Schaden durch Fehlzeiten mehr als auszugleichen. Ich warte noch auf die entsprechende Statistik, liebe Statistiker. In den Prenzlauer Bergen jedenfalls niest etwa jeder Vierte, aber nur jeder Fünfte hat eine Allergie. Da sind dann wohl auch Leute dabei, die einfach eine Erkältung haben. Wie ordinär.

Wenn mich nicht alles täuscht, so ist die isländische Aschewolke, die aus dem Vulkanausbruch, jetzt herniedergekommen mittels eines Regengusses. Zu sehen ist nichts, aber das war ja auch schon vorher so. Wenn das kein Beweis ist!

Auf der einen Seite ist Langeweile die Keimzelle aller menschlichen Kultur, auf der anderen Seite ist Kultur das Langweiligste, was die Menschheit hervorgebracht hat. Das ist natürlich kein Widerspruch, denn das wäre ja wieder spannend. Oder täusche ich mich? Sind sprechende Edelstahlsäulen, die den Touristen in den Prenzlauer Bergen erläutern, was das so auf sich hat mit der Geschichte, vielleicht spannend, weil sie zeigen, dass jetzt Zukunft ist und der ganze Rest Vergangenheit? Wenn ich’s wüßte, würde ich’s nicht verraten. Wo kämen wir da hin!

© und alle denkbaren Rechte weltweit und darüber hinaus bei Norbert W. Schlinkert 2010

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