Maibrief 2010

So viele Menschen rackern sich ab, da kann ich doch wohl nicht einfach nichts tun – das wäre zu anstrengend, schon allein wegen des Rechtfertigungszwanges. Also tue ich etwas, aber auch gleichzeitig so, als täte ich nichts. Das gibt dann erst die richtige Mischung. Zur Nachahmung nicht empfohlen!

Wie wonnig ist mir im Mai! Herrliches Wetter, die Sonne … Das war wohl das Band mit der Mai-Ansprache des letzten oder vorletzten Jahres. Kalt ist es, auch in den Prenzlauer Bergen, gleichwohl nicht nur dort, auch anderswo, nur in Rußland nicht, denn ausgerechnet dort hatte sich der Ruß des Eyjafjallajökull nicht hin treiben lassen. Wetterwissenschaftler behaupten natürlich, das alles habe nichts zu tun mit der isländischen Eruption, doch wir alle wissen es besser, wir haben eine Ahnung, die sich nur einstellt, wenn man denn ordentlich friert. Und das tun wir! Zurück zum Wetterbericht.

Vom Aussterben bedroht: der unbefristete Arbeitsvertrag. Heute erst in einer Qualitätspostille gelesen, wußte ich aber schon. Ein zukünftiger Historiker, der noch nicht einmal geboren ist und der selbst einen befristeten Arbeitsvertrag nur in seinen Quellen wird finden können, wird daraus eine These machen, die da lautet, da hat sich was geändert, grundlegend, Anfang des 21. Jahrhunderts. Er wird einen Text verfassen, muß dann aber schnell los, weil er noch auf seinen Acker muß, Unkraut jäten. Daraus macht dann wieder ein Anderer eine These, einer, der noch nicht einmal geboren ist …

Da geht ja was ab, im Moment: ein Meer läuft nicht etwa aus, sondern voll Öl, Auslaufen tut’s dann später, eine Lena macht Abitur und singt in Oslo, ein Horst tritt zurück, weil er aus Versehen die Wahrheit gesagt hat. Daß gleichzeitig in vielen Bereichen nichts passiert, wird so aber überdeckt, was man nicht wollen sollen sollte, und da ist ein Bundespräsident, der zurücktritt (so eine Art Rache des kleinen Mannes) und seinen Platz räumt, fast schon als Vorbild geeignet. Jeder Deutsche beiderlei Geschlechts ab 40 kann sich jetzt Hoffnung machen, denn heutzutage geht ja alles, vom Randalierer zum Außenminister, der jetzige war leider nur Realschüler, vom Sparkassendirektor zum Bundespräsidenten, vom sozialistischen Mädel zum Gesicht der Regierung! Wie gesagt, alles ist möglich. Hoffentlich hat Guido sein Wohnzimmer gut in Schuß! Es wird also doch etwas passieren, trotz Dauerwahlkampf, und wenn sich dann in 30 Tagen der neue Präsident oder die neue Präsidentin dem Volke zeigt, werden sich in den Prenzlauer Bergen immer noch Fuchs und Igel gute Nacht sagen. Wenn das nichts ist!

© und alle denkbaren Rechte weltweit und darüber hinaus bei Norbert W. Schlinkert 2010

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