Dezemberbrief 2010

Da haben wir doch glatt den Dezemberbeginn verschwitzt! War ja auch ordentlich kalt, doch jetzt wird es wieder wärmer und dann natürlich wieder kälter. Tja, was wäre zu berichten – nun, es gäbe etwas, aber das berichte ich nicht. Ich bin doch nicht wiki! Alles andere, von Fahnenkorrekturen bis hin zu energielosen Batterien ist schon wieder Schnee von gestern. Nun, also, es fällt mir nichts ein, und da mach ich einfach einen Gedankenstrich, der steht, naja, liegt dafür: – (geht doch)

[Vor einem Jahr war noch alles ganz anders, denn da schrieb ich: „Der Dezember schießt los wie ein Hundert-Meter-Läufer, kann dann aber nicht mehr stoppen und rennt voll in den Weihnachtsmann rein! Die Geschenke fliegen nur so durch die Luft, ein Rentier kackt auf die Laufbahn, und als sich beide wieder aufgerappelt haben, ist schon fast Januar. So kann’s kommen.“]

Klar kann ich auch anders! Doch wenn ich mir so ansehe, was so alles in Blogs geschrieben steht, rein mengenmäßig allein schon, dann bin ich doch froh, nicht so viel schreiben zu – wollen. Klar kann ich auch anders. Wer soll das alles überhaupt konsumieren, jetzt und in Zukunft, frage ich mich nicht zum ersten Mal. Gilt natürlich auch für Fernsehserien, Zeitschriften, CDs und so weiter. Und Bücher natürlich, Comics und Graphic Novels eingeschlossen. Und im Grunde geht das ja alles schon seit Jahrhunderten so, Mitte des 18. Jahrhunderts ging es damit los, Messen, bessere Vertriebswege, Zwischenhändler usw. Heute ist das Internet sowohl Messe als auch der Vertriebsweg als auch Zwischenhändler – nein, letzteres nicht eigentlich, der ist überflüssig, man siehe die Blogs. Ich sage übrigens immer DER BLOG statt DIE, so wie ich auch DER DSCHUNGEL sage oder DER BESTE FUßBALLVEREIN DER WELT. Der, der, der, das kann ich halten wie ein Dachdecker! Wo war ich? Ach ja, der mengenmäßigen Über(be)lastung, doch das ist ja nur die eine Seite der Medaille, denn so manch einer hat ja auch Inhaltliches zu sagen. Kein Witz! Beispiele könnte ich anführen, tu’s aber nicht, soll doch ein Jeder und eine Jede selbst rausbekommen, wo der dollste Blog gedeiht, ßuldigung, die dollste Blog, latürnich. Ich bin übrigens nicht ab-, sondern sogar zugeneigt, der Idee als solcher nämlich, so lange es nicht zu verworren wird, also immer klar ist, wer spricht, wenngleich dies kein Mensch aus Fleisch und Blut sein muß – was für eine ekelige Formulierung eigentlich, fällt mir jetzt erst auf: aus Fleisch und Blut, aus Fleisch und Blut, aus Fleisch und Blut, je öfter ich es hersage, desto abstoßender wird es, das hört sich nicht nach besonderem Saft und gut abgehangenem Steak an, was aber letztlich ebenso bäh ist. Wie froh bin ich übrigens, wenn ich das mal so einflechten darf (klar darf ich!), daß in den Prenzlauer Bergen die Kühe und die Ochsen und die Schafe und die Kamele, die Gänse und Zicken (und was hier noch so kreucht und fleucht) artgerecht gehalten werden. Eben alles Künstler hier!

Ogoddogoddogod! Jetzt steht auch noch das Christkind vor der Tür. Was sag ich dem denn? Hat so’n Kleidchen an, weiß und kurz, sieht man die krummen Beinchen, auf den Flügelchen liegt Schnee, muß wohl zu Fuß gekommen sein. Luftraum gesperrt, frage ich, es nickt und sagt ja, Flüge zum Hindukusch, immer wenn ich los will, fliegen die zum Hindukusch, es ist zum In-die-Luft-gehen, also im übertragenen Sinne, meine ich. Das Christkindchen wird rot, es denkt sicher, es habe Unsinn geredet, dabei ist mir das auch schon aufgefallen, und da sage ich, komm doch rein, und siehe da, es fliegt mir zuliebe eine Runde durch die Wohnung und landet auf der Heizung. So schnell habe ich noch nie jemanden von selbiger springen sehen, denn dieses Jahr funktioniert sie ausnahmsweise mal. Huh, heiß, ruft das Christkindchen, fliegt noch eine Runde und landet diesmal auf dem Bücherregal. Hier bleib ich, sagt es. Okay, sage ich, denn ich will mal nicht so sein. Dann muß ich versprechen, ihm sofort bescheid zu geben, wenn sich was tut, im Luftraum.

Spüren Sie’s auch schon? Die Erde dreht sich immer schneller. Der Wind nimmt zu, jedenfalls könnte man das meinen, so wie auf der Kirmes, wenn’s losgeht, wenn die Kette eingehakt ist. Watten Gefühl! Allerdings, da wo ich herkomme, ist immer Regenwetter, wenn Kirmes ist, immer. Und außerdem, irgendwann wurde es natürlich auch wieder langsamer, nach all der Im-Kreis-Sauserei, und man trat leicht schwindelnd wieder auf das Pflaster, hui, war das schön. Wie komme ich jetzt darauf? Ach ja, das Wetter, die Erde und der Wind.

© und alle denkbaren Rechte weltweit und darüber hinaus bei Norbert W. Schlinkert 2010

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