Das Schreiben von Romanen (4)

Mit dem Schreiben von Romanen allein ist es nicht getan. Geld muß ins Spiel kommen, und zwar weniger das Geld, das für die Publikation flüssig gemacht wird, als vielmehr jenes, welches verdient werden kann. Der Autor selbst hat seinen Spaß ja schon gehabt, der sollte sich gefälligst hinten anstellen, aber all die anderen fleißigen Tierchen wollen schon davon leben können. Das ist natürlich richtig so, allein deswegen, weil ein Autor, der im Wohlstand lebt, immer schlechtere Bücher schreiben wird – das ist ein Naturmarktgesetz. Das heißt natürlich nicht, ein armer Autor schreibe quasi automatisch gute Romane, denn sind wir mal ehrlich, wer kann das schon! Während das Schreiben von Kurzgeschichten, Erzählungen und Novellen zwar nicht einfach, aber erlernbar ist, handelt es sich beim Roman um die Königsdisziplin, die Langstrecke – da reicht es nicht, eine Kette von Kurzgeschichten als Roman auszugeben, selbst wenn der gemeine Leser das nicht merken sollte.

Was soll ich daraus schließen? Am ehestens vielleicht, daß der Roman als solcher in Konkurrenz steht zu Texten, die sich auch Roman nennen, aber schneller und leichter hergestellt werden können? Das hätte Vorteile, denn auf der einen Seite entstünden in Serienfertigung und damit in ausreichender Menge leichtgewichtige Werke von meist jüngeren und perfekt vernetzten Autoren, die von Ausnahmen abgesehen von sich selbst berichten, während die schon Älteren jahrelang an ihrem Roman arbeiten und dabei zunehmend verarmen und vereinsamen und auch immer verzweifelter werden, was dem Werk nur nützen kann, selbst wenn sie sich selbst aus dem Spiel lassen. Gelingt ein Werk trotzdem nicht, merkt es ja keiner! Alles wunderbar also? Ja, natürlich! Alles wunderbar!

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