Das Schreiben von Romanen (10)

Es überhaupt zu schaffen, einen langen, zusammenhängenden erzählenden Text zu schreiben, ist an sich schon aller Ehren wert. Das spüren selbst jene, die allein mit Mißgunst, Mißtrauen und Mißachtung auf jede Art von Kunst reagieren, denn eine Ahnung des Unterschiedes zwischen Tier und Mensch haben auch sie, eben deswegen. Natürlich sollte nicht außer acht gelassen werden, daß auch ein Roman nur ein Produkt ist, manchmal (aber sehr selten) eine Neuentwicklung des seit gut zweieinhalb Jahrhunderten Bekannten, meistenteils aber in Kern und Wesen doch „nur“ das Übliche. Dennoch oder gerade deshalb ist von solch einem Produkt das Unmöglichste zu fordern, nämlich Perfektion, nicht allerdings bezogen auf die nüchterne Produkteigenschaft, sondern allein auf die Wirkung während des Lesevorganges und auf die, die nach diesem bleibt, in Kopf und Gemüt. Der Leser gestaltet lesend den Text naturgemäß maßgeblich mit, das ist bekannt, und wer einem Roman die Qualität abspricht, der möge doch sich selbst als Teil des Lesegeschehens mit einbeziehen, vor allem wenn „objektiv“ nichts zu bemängeln ist. Interessanterweise ist ein Roman aber dennoch nicht etwa nur so etwas wie eine halbfertige Vorlage, denn der Autor des Romans ist immer beides, Schreibender und (Erst-)Lesender in einem, woraus eben eben dieser Zwang zur Perfektion resultiert.

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