Die Maschine läuft

Brot und Spiele, in manchen Jahrhunderten garniert oder gar ersetzt durch Gottesdienst und Gebet – das ist nach wie vor das beste Mittel zum Machterhalt. Dazu bedarf es einer Gesellschaft, die in sich ausreichend beweglich ist und Individualismus aushält, denn in Diktaturen funktioniert das Konzept heutigentags nicht mehr. Der Kern eines Spektakels, eines Events, darf allerdings nicht beschädigt werden, darauf ist zu achten. So wie die „Drei Tenöre“ trotz allem nicht die Oper ruiniert haben, so kann auch eine Fußball-Europameisterschaft als werbeträchtiges und machtpolitisch nutzbares Spektakel nicht den Fußball an sich ruinieren, selbst wenn die Massen nur den Abklatsch des Eigentlichen sehen können und sich nur amüsieren, weil eben Gelegenheit ist. Menschen, die vor lauter Freude ganz aus dem Häuschen sind, kennt man ja etwa auch von der Wahlberichterstattung – da jubeln Menschen, weil ihr Kandidat oder ihre Partei gewonnen hat. Trotz dieser seltsamen und mir völlig unverständlichen Ausbrüche muß unser Gemeinwesen ja adäquat gelenkt und verwaltet werden, so daß das Spektakel eher die Verpackung ist als die Sache selbst. Den Blick auf das Wesentliche zu lenken, das erscheint mir in unserer Massenkultur die wirklich ausschlaggebende Kunstfertigkeit zu sein, die manche Menschen beherrschen und die meisten eben nicht. Das muß wahrscheinlich so sein, das sind die Verhältnisse.

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