Die Maschine läuft

Brot und Spiele, in manchen Jahrhunderten garniert oder gar ersetzt durch Gottesdienst und Gebet – das ist nach wie vor das beste Mittel zum Machterhalt. Dazu bedarf es einer Gesellschaft, die in sich ausreichend beweglich ist und Individualismus aushält, denn in Diktaturen funktioniert das Konzept heutigentags nicht mehr. Der Kern eines Spektakels, eines Events, darf allerdings nicht beschädigt werden, darauf ist zu achten. So wie die „Drei Tenöre“ trotz allem nicht die Oper ruiniert haben, so kann auch eine Fußball-Europameisterschaft als werbeträchtiges und machtpolitisch nutzbares Spektakel nicht den Fußball an sich ruinieren, selbst wenn die Massen nur den Abklatsch des Eigentlichen sehen können und sich nur amüsieren, weil eben Gelegenheit ist. Menschen, die vor lauter Freude ganz aus dem Häuschen sind, kennt man ja etwa auch von der Wahlberichterstattung – da jubeln Menschen, weil ihr Kandidat oder ihre Partei gewonnen hat. Trotz dieser seltsamen und mir völlig unverständlichen Ausbrüche muß unser Gemeinwesen ja adäquat gelenkt und verwaltet werden, so daß das Spektakel eher die Verpackung ist als die Sache selbst. Den Blick auf das Wesentliche zu lenken, das erscheint mir in unserer Massenkultur die wirklich ausschlaggebende Kunstfertigkeit zu sein, die manche Menschen beherrschen und die meisten eben nicht. Das muß wahrscheinlich so sein, das sind die Verhältnisse.

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4 Antworten auf Die Maschine läuft

  1. FrauWunder sagt:

    was ist denn das wesentliche, liegt das nicht im auge des betrachters?

  2. Mit dem Wesentlichen meinte ich ganz einfach das Wesen einer Sache, sozusagen das Kernanliegen. In der Kunst und beim Spiel geht es um Ästhetik, in der Politik um das positive Einwirken auf das Gemeinwesen, ganz unabhängig von den Mitteln, die diesen Zielen, sozusagen mittelbar, auch dienen. Würden Fußballer kein Geld verdienen, würden sie nicht so viel Zeit und Energie verwenden können, um wirklich gut zu werden, würde die Oper nicht populär gehalten werden durch Events, gäbe es bald schon keine öffentliche Förderung mehr. So dient das Drumherum notwendigerweise auch der Sache selbst, woran man sich natürlich erfreuen kann, wenn man will und wie man will. Wenn für mich das Wesentliche an einem Konzertbesuch die Tatsache ist, mit Freunden was zu unternehmen, ist das ja auch in Ordnung, denn der Musik schadet es in ihrem Grundanliegen natürlich nicht, daß ich mir keine weiteren Gedanken zu ihr mache. Ich bin dann einfach Teil des Publikums. (Ich hoffe, ich hab das einigermaßen erklärt, bin ganz matschig von der Textarbeit.)

  3. FrauWunder sagt:

    sicherlich;
    irgendwo zwischen kunst und kommerz, politik und kasperletheater, public- viewing und elfMeter, liegt das wesen der dinge versteckt…

    das kann durchaus das runde sein, das in das eckige muss oder auch der champagner auf der vip- tribüne.

  4. Das Wesen der Dinge ist eben schwer zu fassen, vielleicht gibt es nicht mal Worte dafür. Ich glaube aber, daß alles menschliche Handeln, wenigstens so weit es wohlwollend ist, im Wesen und im Kern ästhetisch ist, natürlich auch, weil alles, wie Sie schrieben, letztlich im Auge des (teilhabenden) Betrachters liegt.

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