Gründe genug, man bediene sich, doch nicht bei Aléa Torik

Ich habe heute irgendwie schlechte Laune, was natürlich kein Grund ist, die Welt ausgerechnet damit zu belästigen. Aber warum habe ich schlechte Laune? Wenn ich das nur wüßte! Also habe ich mich auf die Suche gemacht, das Geschirr abgewaschen, die Wäsche abgehängt und halbwegs ordentlich in den Schrank gelegt – hat aber nicht geholfen, also lag es nicht an nicht gemachter Hausarbeit. Danach habe ich einige Blogs durchforstet, selbst die von solcherart Mitstreitern, mit denen ich wenig oder nichts zu tun habe, doch da fand sich auch nichts, was einen Hinweis hätte geben können auf das, was in mir vor sich geht an Mißstimmung. Auf einem Blog hätte ich allerdings fündig werden können, wenn ich denn eine andere Grundauffassung zur Literatur und zu dem damit zu erzielenden Erfolg hätte. Vielleicht ist es das: es ist mir eine Spur zu egal, ob ich tatsächlich meine Ziele erreiche, das ist mein vermaledeiter optimistischer Fatalismus. Kann ich keinem empfehlen! Das Blog ist übrigens dasjenige von Aléa Torik, seit einer Weile im Dornröschenschlaf, wo ich etwas zum Ärgern hätte finden können. Aber nein: ich finde es ganz und gar nicht verwerflich, wenn eine junge deutschsprachige Autorin mit rumänischen Wurzeln die Vorteile nutzt, die sie nun einmal auf dem Markt hat, denn das versucht, ganz unabhängig von Herkunft, Sprache, Geschlecht oder Hautfarbe, schließlich jeder mit seiner eigenen Schreibe. Immerhin hat Aléa Torik nun einen Beitrag in der deutschen Ausgabe von LETTRE international, das ist doch bemerkenswert, was die Autorin ja auch selbst in aller Bescheidenheit anmerkt. (Sie finden den Beitrag in der Rubrik ‚Briefe und Kommentare‘, direkt unter der Rubrik ‚Identität und Fälschung‘.) Ich kenne niemanden, der dort veröffentlicht, ich selbst würde da niemals auch nur anfragen, auch in aller Bescheidenheit, denn warum sollten die etwas von mir drucken! So ehrlich zuzugeben, daß man hier und da keine Chance hat, sollte man schon sein. Schlechte Laune habe ich jetzt natürlich immer noch, doch ich werde den Grund schon noch finden, nämlich nach dem Ausschlußprinzip.

Dieser Beitrag wurde unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Gründe genug, man bediene sich, doch nicht bei Aléa Torik

  1. Sehr klug, sich nicht darüber zu ärgern. Das Foto in „Lettre“ (Morel liest das, mir ist das zu großformatig, in doppelter Hinsicht) ist doch sehr witzig (und a bisserl dreist auch). Bei der „Mädchenmannschaft“ und einigen anderen, die früher einmal auf Toriks Blog verlinkt waren, um die „Legende“ zu stützen, wäre man aber vielleicht weniger amüsiert ;-).

    Ich kenne diese „grundlose“ schlechte Laune. Da ich nicht allein lebe, kommt es sogar vor, dass ich sie an anderen auslasse. Das ist wirklich nicht fair. Wie gut also, wenn man so ein Blog hat, wo man das los werden kann.
    Herzliche Grüße – und vielleicht doch noch einen schönen Rest-Sonntag (mir hilft Zitroneneis, Schokolade oder ein Schläfchen, oft jedenfalls).

    Und falls Sie noch Gründe suchen:
    – das Spiel Polen – Tschechien (weia, was für ein lahmer Fußball), die Einkommensverteilung in Deutschland und der Welt, das Wetter (immer ein guter Kandidat!), die Geräusche des Kühlschranks (ha, mein Lieblingsfeind), übergewichtige Adiletten-Träger, der Herr S. (geht öfter mal nach hinten los), der Fiskalpakt, die Steine und der dicke Siggi, SUV-Fahrer:innen …usw.

  2. Liebe Melusine,

    sich zu ärgern würde auch zu viel Energie verbrauchen, am Ende brummt man nur sinnlos vor sich hin wie ein Kühlschrank mit der Effizienzklasse ‚Geht gar nicht‘. Von den genannten Gründen für schlechte Laune nehme ich wohl am besten das Fußballspiel oder jene Dinge, die ein etwaig zu bestaunendes schönes Spiel dann wieder verderben. Ich zitiere mich mal selber, denn heute morgen schrieb ich noch vor der eigentlichen Arbeit:
    „Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben. Etwas darüber, wie es mir auf den Geist geht, bei den Übertragungen der Fußball-EM dauernd diese superspaßigen Spaßvögel im Publikum sehen zu müssen, die sich jeder Kameralinse entgegenwerfen und mir ihre abgeschmackten Verkleidungen und grinsenden Fressen präsentieren. Schlimmer noch sind nur die supermännlichen Kerle, die bei jedem Wetter ihre Oberkörper entblößen und ihre Wampe oder ihre Sixpacks zeigen. Was soll der Scheiß! Das ist eklig, das grenzt an Körperverletzung. Die einzigen, die sich im Publikum wie Erwachsene benehmen, sind die Kinder im Stadion. Sicher schämen sie sich für manche Erwachene, vermeintlich Erwachsene. Meine Taktik, bei Anpfiff hinzusehen und beim Abpfiff wieder weg, hilft da natürlich nicht. Es ist zum Kotzen!“
    Vielleicht ist es ja das, was mir die Laune verdirbt!

    Ihnen auch noch einen schönen Restsonntag, mit oder ohne Fußball,
    mit herzlichen Grüßen,
    Norbert

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.