Einmal Inversion und zurück

Die Umwertung aller Werte ist ja nicht mehr als der Versuch, gleichsam an der Decke zu laufen. Man denke da nur an Pippi Langstrumpf oder an Friedrich Nietzsche. Für Normalbürger gibt es dafür die Umkehrungsfeste, etwa den Karneval. Zu solchen Zeiten geht der Papst als Bettler und der Bettler als Papst. Ist das Fest zuende, dreht sich die Sache wieder. Auch im Alltag ist so etwas möglich – raus aus dem Anzug, rein in die Motorradkluft. Es dreht sich also ständig was, es sei denn, man ist gleichsam aus einem Guss und dabei ständig im Dienst. Soll’s ja geben. Dem Schriftsteller Robert Musil ist die philosophische Denkfigur der Inversion übrigens Grundlage des anderen Zustandes als des Gegenstücks zu den alltäglichen Weltverhältnissen. Es geht ihm um das Sich-Fühlen als nichtfixierbares Sein, denn in dem einen Moment glaubt man in sich zu ruhen, um im anderen dann außer sich zu sein und sozusagen neben sich zu stehen. Nur eine Ausrede ist es aber, wenn jemand behauptet, nicht ganz bei sich gewesen zu sein, denn so sehr man auch die Zustände wechselt, es dreht sich alles immer nur ums: Ich.

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