Runtergedimmt

Von Ende Juni bis Mitte September ist Pause – Sommerpause. Vom frühesten Sommerferienbeginn bis zum spätesten Ende. Die Theater und Konzerthäuser machen auch Ferien, Entscheidungsträger sind im Urlaub, selbst die Parlamente in Deutschland lösen sich für eine Weile auf. Mir hat das noch nie gefallen. Nicht etwa, daß die Menschen nicht ihre verdienten Pausen bekommen sollten, doch muß deshalb alles in die Bedeutungslosigkeit hinein runtergedimmt werden? Machen die Menschheitsprobleme auch ein verdientes Päuschen, fahren auch die Menschen in den Flüchtlingslagern dieser Welt mal für ’ne Weile ans Meer oder in die Berge? Ein wichtiges Argument für die Sommerdösigkeit ist natürlich immer dasjenige, daß nun wieder gelesenen wird, daß man endlich dazu kommt, mal wieder ein Buch zur Hand zu nehmen. Schön und gut, aber ich lese immer, also frage ich mich, was ich davon habe, wenn hier alles auf Betulich eingestellt ist. Selbst Nachrichten, die im Frühjahr, Herbst oder Winter zu Diskussionen geführt hätten, poppen einmal kurz im Kulturteil der Zeitung auf und sind wieder weg, jede Wette. Heute lese ich zum Beispiel, daß in London ein Denkmal für die Bomberbesatzungen des Zweiten Weltkriegs eingeweiht werden wird, was ja durchaus diskutabel ist und auch eine wichtige Nachricht mindestens für die Menschen, die als Kinder oder Jugendliche die Bomberpiloten bei der Arbeit erlebt haben. Der Zeitpunkt zeigt immerhin, daß die Briten genau wissen, wann in Deutschland Sommerferien sind. Wenn das kein Fortschritt ist!

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