Matschepatsche

Heute morgen klingelte der Wecker, nahm aber dabei keine Rücksicht auf meine gegenwärtige Schlafphase. Es gibt Wecker, die das können, doch sich im Schlaf überwachen zu lassen, finde ich auch nicht gut. Jedenfalls bin ich am Morgen und dann meist auch den ganzen Tag immer ziemlich matsche, wenn ich mir den Wecker stelle, was ich dummerweise tue, obwohl ich ganz sicher auch ohne Wecker zeitig wach würde. Ich war dann heute morgen knapp drei Stunden unterwegs, habe ein einstündiges gutes Gespräch gehabt und durfte fast zwei Stunden S-Bahn-Fahren. Dann habe ich mir vier T-Shirts gekauft, zum ersten Mal im Leben welche mit V-Ausschnitt. (Soll mal keiner sagen, ich sei festgefahren!) Den ersten Kaffee des Tages trank ich erst spät, während ich Ein Porträt des Künstlers als junger Mann von James Joyce in dieser schönen neuen Übersetzung las – leider habe ich das Buch bald durch. Was dann lesen? Einiges will durchaus noch mal, anderes aber zum ersten Mal gelesen werden; da stehen Italo Svevo und Franz Werfel und Alban Nikolai Herbst und Phyllis Kiehl und schreien mich an: Lies mich, Du Pfeife Du! Außerdem will ich Heinrich Heine unbedingt bald lesen, weil ich ihn mit 17 oder 18 Jahren wohl nicht recht verstanden habe, was mir seit langem schon klar ist. Natürlich muß auch mein erst kürzlich fertiggestellter Roman überarbeitet werden, und außerdem warte ich noch auf die Zusage eines Verlages, der einen älteren Text von mir veröffentlichen will oder wenigstens zu wollen vorgibt. Aber gleichviel, heute werde ich allenfalls noch das Porträt zuende lesen können und nichts sonst schaffen, und das alles nur wegen des Weckers, diesem tumben Befehlsempfänger. Alles Matsche & Patsche, was ja allein schon dieser Text beweist, der aber auch jeden ethisch-moralischen oder auch sonstwie gearteten Sinn vermissen läßt. Jeden!  

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