Allgemeine Spezialisierung

Der Schritt zur Spezialisierung wurde mir schon mehrfach angeraten, doch ich zögere noch. Muß man denn nicht, denke ich, besonders im geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Bereich in vielen Disziplinen einigermaßen firm sein, um in unserer eiseskalten Moderne überhaupt noch eine Chance zu haben? Oder kann man von Chancen vielleicht gar nicht mehr sprechen? Kürzlich hörte ich von einer befristeten, mäßig bezahlten Stelle für Geisteswissenschaftler in Berlin, auf die sich über 1200 Menschen beworben haben. Keine Quote wie beim Lotto, doch von einer aussichtsreichen Situation würde ich auch nicht sprechen. Allerdings hat Deutschland den Ruf als Land der Dichter und Denker auch nur deswegen erlangt, weil es Künstlern hierzulande meist schlecht geht, so daß es wahrscheinlich Methode hat, Kunst und Kultur nur so grade eben am Kacken zu halten. Ist ja auch nicht übel, vom guten Ruf zu profitieren, wenn man fast nix dafür tun muß. Zyniker, wie unser hiesiger Provinzfürst Klaus Wowereit, finden dafür natürlich immer einen Spruch, eben jenen etwa, Berlin sei arm, aber sexy, was natürlich eine Dreistigkeit sondergleichen ist, vor allem wenn man bedenkt, daß die Stadt Berlin mit dem reichhaltigen Kulturleben wirbt, das sie selber mehr schädigt als befördert. Aber was rege ich mich auf, schließlich könnte ich mich ja ohne weiteres spezialisieren, dann wäre ich aller Sorgen ledig – nur auf was? Die meisten Menschen spezialisieren sich auf das Aushalten langweiliger Jobs oder auf das Vorwärtskommen mittels Schleimspurensurfing, doch dafür bin ich wahrscheinlich nicht geeignet. Was also tun? Nun, wenn ich es mir recht überlege, kann ich nix außer Schreiben wirklich gut, also sollte ich das tun, denke ich, denn Schreiben ist ja so sexy!

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