Mit dem zweiten Blick ist’s komischer

Das noch d’rin liegende Kassenzettelchen weist den 11. März 1982 aus. Sieben Mark und achtzig Pfennig habe ich damals dafür bezahlt, in der Buchhandlung Niehörster in Dortmund. Es handelt sich um die dtv-Ausgabe von Heinrich Heines Atta Troll. Ein Sommernachtstraum und Deutschland. Ein Wintermärchen. Heute, beim zweiten Lesen, erinnere ich mich durchaus an viele Passagen, bin aber nicht sicher, ob ich sie damals schon als so ausgesprochen scharfsinnig und komisch erkannt habe – wahrscheinlich nicht, denn ich war 18 und bar jeder Bildung. Auch bei anderen Büchern habe ich beim zweiten Lesen sicher öfter schallend gelacht als beim ersten in jungen Jahren, denn wer einen Text nicht ausreichend begreift, nimmt ihn wahrscheinlich eher zu ernst – wie auch sonst, denn lachen tut man ja immer wegen einer erkannten Differenz, und das erfordert Wissen. Trotzdem war das erste Lesen immens wichtig, es hat mich gestärkt in einer Welt, die dauernd Dinge von mir forderte, die ich nicht tun wollte, die mir allerdings auch vieles gab, was ich brauchte – ernste Literatur zum Beispiel.

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