Tagebuch, fiktiv

Manchmal denke ich darüber nach, was ich schreiben würde, schrieb ich täglich Tagebuch. Natürlich nicht so eins, das dem späteren Ruhm zu dienen hat, sondern ein echtes. Was würde ich schreiben? Etwa dies: „Interesse an meiner Arbeit, meinem Roman läßt von allen Seiten rapide nach, oder bilde ich mir das ein? Darf ich Interesse überhaupt erwarten, wenn so viele meiner Freunde im Angestelltenmodus leben und bzw. oder einen Sack voll Kinder haben? Die Welt scheint da draußen ohne mich weiterzulaufen, nur manchmal bricht jemand aus und besucht mich, bleibt eine kleine Weile, erklärt mir, wie gut es mir geht und ist dann auch schon wieder fort. Seltsam, so ein Leben.“ Würde ich dies wirklich schreiben, mit Füllfederhalter ins Buch, Datum und Ort obenauf, und wenn ja, ginge es mir dann besser oder schlechter? Ich weiß es nicht. Vielleicht würde ich ja auch jeden Eintrag beenden mit diesem Satz, mit dem früher die Geschichten in so Grusel-Groschenheften endeten: „Seltsam, aber so steht es geschrieben.“ Ja, das trifft es genau!

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