Ulysses auf großer Fahrt

Ich arbeite im Moment ganz ruhig vor mich hin und bin, als künstlerisch tätiger Mensch, niemandem nur die geringste Rechenschaft schuldig, ganz gleich, wie viel oder wie wenig ich arbeite oder ob das gelingt oder nicht oder ob das jemandem gefällt oder nicht oder ob das Geld einbringt oder nicht oder ob-ob-ob. Wer das nicht kapiert, kapiert’s eben nicht. Der Widerstand gegen mein Tun war allerdings schon einmal stärker ausgeprägt (die guten alten Zeiten!), jetzt trauen sich viele nicht mehr, weil sie merken, daß der Kerl das alles ernst meint, heilige Einfalt, und was der immer für einen Unsinn erzählt, daß Kunst immer heißt, der Welt etwas Neues hinzuzufügen zu versuchen (zu versuchen), was immer auch kläglich scheitern kann, so wie es auch immer etwas weniger kläglich gelingen kann, klar, kommt vor, mit etwas Glück. Wichtig beim künstlerischen Tun ist allerdings auch, das lernt man dann doch mit der Zeit, nicht den Spießern aller Lager auf den Leim zu gehen, die immer versuchen, den Künstler und seine Kunst nutzbringend zu verwerten, indem sie ihn als Teil ihrer Welt betrachten, wenngleich heutigentags die Spießer ihre Kunst bzw. was sie dafür halten oft gleich selbst machen, in ihrer Freizeit machen sie sich ran an die Sache, Malen nach Zahlen, Schreiben nach Vorschrift, kann ja nicht so schwer sein, denken sie, kann man alles lernen, denken sie, und vor allem, das denken sie auch, kann man die Welt damit verbessern und verschönern, die allerdings, sage ich, ohne sie, die kunstmachenden Spießer nämlich, dieser Taten gar nicht bedürftig wäre, was aber leider ebenso wenig allgemein bekannt ist wie die Tatsache, daß sich die Welt nicht verschönern läßt, selbst wenn es stimmt, daß das Häßlichmachen umso leichter gelingt, und eben deswegen ist die Kunst für alle da. Toll, oder!

Ulysses auf großer Fahrt, Norbert W. Schlinkert

 

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