SonnenD/A/CH

Gar nicht so einfach, ausgerechnet heute etwas Scharfsinniges zu schreiben, ohne dabei kokett, albern oder bildungsverliebt zu wirken. Sicher, ich könnte irgendwo einhaken, etwa bei der seit Menschengedenken verhandelten Frage, wo denn die Seele sitzt, aber dann müßte ich mir den Vorwurf gefallen lassen, olle Kamellen unters Volk zu werfen. (Die Antwort ist übrigens so schlicht wie einfach: sie sitzt überhaupt nicht, sondern fleucht und kreucht in dem rum, was wir unser Bewußtsein nennen, immer auf der Suche nach – – –aber das, liebe Leute, ist eben die eigentliche Frage, die es ohne unser Bewußtsein gar nicht gäbe.) Doch ich will mich nicht streiten, die Engstirnigkeit so vieler Zeitgenossen geht mir ohnehin auf den Geist, lieber schreibe ich einen Text, über dem die Sonne lacht, weil ihr, der Sonne, alles menschliche Gewusel komplett schnuppe sein kann, davon muß man fest ausgehen, ja sie weiß ja nicht einmal, daß sie die Sonne ist, geschweige denn, daß wir um sie kreisen, immer drumherum, obwohl das Weltall doch so unermeßlich groß oder gar unendlich ist; ich frage mich, ob man da nicht mal mit dem ganzen Planeten auf Reisen gehe sollte, den Mond, den alten Gesellen, nehmen wir natürlich mit, keine Frage, um mal was anderes zu sehen als immer nur das selbe Gestirn und diesen selben Himmel, wo es doch, nur wenige Lichtjahre entfernt, in einem anderen Teil der Unendlichkeit womöglich viel lustiger zugeht! Ja, ich fordere das Ende der Abhängigkeit von der blöden Sonne und einen Aufbruch ins Unbekannte! Wer nicht mit will, wer zu bequem ist oder ein Reisemuffel, der kann sich ja in dem Loch einrichten, daß die Erde im Raum hinterläßt und weiter volltrunken mit seinen Gartenzwergen Gruppensex nachspielen oder so – das ist uns dann völlig egal, denn wir sind dann ja erstmal weg! So, jeder andere der sogenannten literarischen Blogger würde einen Teufel tun, diesen Text einzustellen, während ich mir eben dies überhaupt nicht überlege, sondern es einfach tue, denn schließlich ist heute, Moment, es steht im Kalender, Pfingsten, also genau genommen steht da „Pfingstsonntag D/A/CH“, schon wieder diese Sonne, die hat ja sogar ihren eigenen Tag, sicher schon seit den Tagen der Steinzeitfuzzis, und Augenblick, ich schaue mal hinaus, ja tatsächlich, sie scheint, mir direkt ins Gemüt. Herrlich! Ich glaube, wir sollten doch noch eine Weile bleiben!

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2 Responses to SonnenD/A/CH

  1. Iris sagt:

    Hier regnet’s. Man könnte meinen, wir hätten uns bereits auf den Weg gemacht. Weg von einer Sonne, die sowieso zu selten scheint. Was natürlich nicht stimmt, sondern nur gefühlt so ist. 😉
    Schönen Sonntag unterm Pfingstsonntags-D/A/CH! Ach.

  2. Mieses Wetter hatten wir hier gestern, heute ist es schön, allerdings ist auch protestantischer Kirchenglockenterror angesagt, alle paar Minuten dröhnen die hier rechtschaffenden Menschen die Ohren voll. Grauenhaft, denn die Berliner Glocken sind schrecklich. Ich habe also die Zeit tatsächlich unter dem D/A/CH am Schreibtisch verbracht und in vier Stunden ein Zehntausendzeichenessay geschrieben, um an einem Wettbewerb teilzunehmen. Zur Belohnung will ich aber gleich auf den Balkon und die dort auftauchende Sonne begrüßen, ich grüß sie dann auch mal von Ihnen, vielleicht hilft’s ja!