Die Kunst des Sichentbehrlichmachens

Es sieht so aus, als sei es mir endlich gelungen, mich allerorten entbehrlich zu machen. Das war nicht einfach, ich habe aber auch Glück gehabt, zum Beispiel bin ich im Laufe der Zeit älter geworden und habe mich auch nach und nach überqualifiziert.

Dazu kommt, daß es mich nach wie vor auch in Bereiche treibt, die für schwierig gelten. Beispiel dafür ist die Beschäftigung mit der Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, in der nicht selten umständliche Beschreibungen länglicher Art zu finden sind.

Wer mich kennt weiß, ich mißtraue jeder Art Ideologie. Ich möchte auch nicht in einer Partei sein, nicht in einer Gewerkschaft und auch in keinem Verein. Mir gefällt nicht, daß ich in solchen Organisationen gezwungen sein könnte, mich einer allgemeinen Ansicht anzuschließen. So einer wie ich ist also, der allgemeinen Ansicht nach, ein Spalter.

Es gibt die Ansicht, ich wolle immer alles besonders gut machen. Das ist für Pragmatiker oft verletzend, denn schließlich kommen die mit ihrer Art gut voran, woraus sie schließen, daß ich nichts kann außer dieses Besondersgutmachenwollen, das man aber eben nirgends gebrauchen kann, denn sie selbst kommen ja gut weiter mit ihrer Art. Beweis genug.

Es löst nicht selten Verwirrung aus, wenn ich sage, ich brauche nur genau das Geld, das ich eben brauche. Ich gelte also auch in diesem Punkt für unvernünftig, denn man muß doch über die Gegenwart hinaussehen, um sich auch mal was leisten zu können. Jemand, der so denkt, will aber weder etwas – noch sich etwas leisten. So einen können wir nicht gebrauchen. Soll der doch Romane schreiben, wenn er sonst schon nichts kann.

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