Mein ganz bestimmtes Machenmüssen

Mein ganz bestimmtes Machenmüssen ist ganz sicher kein Getue, dafür ist es auch viel zu viel jahre- und jahrzehntelange ernsthafte Arbeit, selbst wenn Oberschlaue allerlei Schlüsselerlebnisse ins Feld führen, die, „leider!“, zu diesem meinem Schreibenmüssen geführt haben, wo ich doch mit meinem Verstand schon längst im Wohlhabbereich angekommen sein müßte. Dabei habe ich den oberschlauen Pragmatikern selbst die Munition geliefert, als ich von meinen Kindheits- und Jugenderlebnissen erzählte, die man doch überwinden müsse!, von der unsäglichen Gleichmacherei der 60er- und 70er-Jahre, die damals grad jene ins Feld führten und als das eigene Lebensprinzip propagierten, die nicht sehen konnten oder wollten, daß sie eben damit denen, die über mehr Ressourcen verfügten, Geld, Beziehungen, Besitz, in die Karten spielten. Natürlich konnte sich damals, als ich noch klein war, das Arbeiter- und Angestelltenmilieu als solches damit selbst beruhigen, daß sie alle ja schließlich (noch) gebraucht wurden zum Wohlstandsaufbau und -erhalt, geschenkt, doch die Kinder mit hineinzuziehen in diese Lebenswelt – das war nicht klug, ja es war hanebüchen dumm, dem eigenen Nachwuchs Bildung und damit Wahlmöglichkeiten vorzuenthalten. Zur Strafe müssen die Alten jetzt ihren Wohlstand mit dem Nachwuchs teilen, denn wo sind sie denn alle hin, die sicheren Arbeitsplätze – ja wo laufen sie denn!

Die Hauptschuld daran trägt mal wieder die Sozialdemokratie, der niemand ihre Oppositionstätigkeit vorwirft oder ihr Tun und Handeln bis 1933, die es jedoch nach dem Krieg, wenn sie an der Macht war, wie zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen, mit allen Mitteln verhindert hat, daß sich Facheliten bildeten. Willy Brandt war sogar der Ansicht, eine Schul- und Hochschulpolitik, die (auch) eine Elite herausbildete, sei ungerecht – dabei schadet so etwas nicht per se den Nichtbesondersspezialisierten, sondern nur denen, deren Talent verkümmert und deren Enthusiasmus erschlagen wird. Folge dieses Unsinns waren schlechte Schulen mit viel zu großen Klassen (bis 45 Kinder!), die Massenunis und insgesamt eine weitere Verkümmerung des Geisteslebens, was zur Folge hatte, daß sich in der besagten Zeit Mittelmäßigkeit wie Mehltau über das Land legte, was eben, ich sagte es schon, umtriebige, wissbegierige und somit ehrgeizige junge Menschen behinderte und ausbremste – erstens durch ein einfaches Nichtgefördert-, Nichternstgenommen- und Nichtbeachtetwerden, zweitens durch das Fehlen von Vorbildern, die unsereiner dann in der Literatur und der Kunst suchte und fand. Und wenn man da einmal Feuer gefangen hat, ist man mit den Versprechen auf ein Facharbeiterleben, Eigenheim und sicherer Rente (ha!) einfach nicht mehr zu erreichen, man ist frei von diesem Lohnsklavendenken, auf das die SPD lange Jahre ihre Macht aufbaute, was sie sich heute mit der Partei der Linken teilen muß. Aber ich komme mal wieder von Höcksken auf Stöcksken, und natürlich möchte ich mich auch für die viel zu langen Sätze in diesem Beitrag entschuldigen, denn wer soll das denn bitteschön lesen!

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