Da geht’s lang, Django!

Vielen Menschen muß man die Richtung weisen, denn allein auf sich gestellt würden sie wohl kaum erkennen, wo es für sie lang gehen sollte. Die Frage ist nur, wer ist „man“ und wie kommen diese Leute dazu, anderen den Weg zu weisen? Sich diejenigen aussuchen zu können, die dies tun sollen, ist wohl das, was unser (nicht vom Volk gewählter) Bundesgauckler unter Freiheit versteht, wenn ich das hier mal so sagen darf auf Grundlage der uns nun ins Bewußtsein getretenen neuen Freiheit, die wir gewonnen haben durch die Erkenntnis, nicht mehr unüberwacht kommunizieren zu können. Jaja, Sie lesen ganz richtig, denn ist nicht die Totalüberwachung aller gleichbedeutend mit Totalmißtrauen gegen jeden? Sehen Sie, endlich kann man alles sagen, was man will, und zwar, weil man soll. So einfach ist das. Die Konsequenzen folgen.

Da geht's lang, Django!, Norbert W. Schlinkert

Dieser Beitrag wurde unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Responses to Da geht’s lang, Django!

  1. derdilettant sagt:

    Ich glaube, dass das Faszinierende an der Totalüberwachung die Tatsache ist, dass es geht. Bevor der Mensch darüber nachdenkt, wozu er etwas überhaupt braucht, macht er es einfach, wenn es ein neues, verheißungsvolles Spielzeug ist. Mein Trost ist ja die Vorstellung, dass die Damen und Herren Totalüberwacher in ihren Überwachungsbunkern sich dereinst an der riesigen Datenmenge verschlucken und Verdauungsprobleme kriegen. Wie hieß das früher am Essenstisch: Da waren die Augen mal wieder größer als der Mund…

  2. Ja, was machbar ist, wird gemacht, so schädlich es auch sein kann! Was allerdings das Verschlucken der Totalüberwacher an der riesigen Datenmenge angeht, so denke ich, daß das wohl möglich ist, dann aber neue Gefahren heraufbeschwört, etwa die Verfolgung Unschuldiger aufgrund kultureller und sprachlicher Mißverständnisse, vielleicht einfach nur, weil Menschen Begriffe neu definieren und dann auch noch in der „falschen“ Weltgegend wohnen und das „Falsche“ studieren. Und wenn die Drohne dann automatisch ihren Einsatzbefehl bekommt … Interessant ist in jedem Fall, wie schnell die Demokratie von innen heraus erodiert, wenn Funktionsträger, die es in dieser Art in jeder Staatsform gibt, unter anderem durch Entscheidungen oder Nichtentscheidungen der gewählten Volksvertreter zu viel Macht erlangen. Die nächste Bundestagswahl wird allerdings wieder einmal zeigen, wie egal das alles den meisten Menschen ist und wie wenig sie begreifen, um was es eigentlich geht.

  3. derdilettant sagt:

    Genau so ist es: die Totalüberwachung überfordert den Menschen am Überwachungsschirm, aber wer Pech hat und einmal in das Malwerk der Computerprogramme hineingerät, wird seines Lebens nicht mehr froh werden. Zu den Funktionsträgern in der Demokratie allerdings glaube ich, dass die Segnungen der Demokratie überschätzt werden. Die Ausübung von Macht funktionierte und funktioniert stets nach den gleichen Regeln. Die Demokratie bringt diese Mechanismen zwar auf den Prüfstand, breitet andererseits aber bloß einlullend ihr gaucklerisches (das greife ich mal von Ihnen auf) Mäntelchen darüber. Wenn man wissen will, wie die Politik funktioniert, muss man in die Archive gehen. Was man mit Abstand von fünfzig Jahren und mehr dort lesen kann, gilt unvermindert heute.

  4. Die Frage ist nur, ob auf Seiten der gewählten und auch nichtgewählten Machtausübenden ein Interesse besteht, die Mechanismen der Politik offen darzustellen, etwa im Schulunterricht. Immer wenn ich mitbekomme, daß der Geschichtsunterricht immer noch mehr oder weniger schematisch und ziemlich oberflächlich das Gut-Böse-Schema bedient, graust es mir, denn so werden nur fleißige Untertanen erzogen und sonst nix.
    Die neueste Kolumne von Sascha Lobo bringt übrigens ganz gut auf den Punkt, was im Kopf des besorgten Bürgers und was nicht in den Köpfen der unbesorgten Untertanen vor sich geht.