Heinrich Schirmbeck: am Lesen dran

Heinrich Schirmbeck schreibt in seinem Roman ÄRGERT DICH DEIN RECHTES AUGE (1957), es seinem Ich-Erzähler Thomas Grey in den Mund legend, folgendes zum Roman als solchem: „Von den sich anbietenden Formen literarischer Darstellung schien mir am ehesten noch die des Romans für meine Absichten nutzbar; denn der Roman war eigentlich die Form der Formlosigkeit, das allseitig poröse, wenn nicht gar offene Gefäß, das sich dem jeweiligen Inhalt, den komplexen Schichten der Situationen, dem Wechsel des optischen Standpunktes, am gefälligsten anschmiegte. Sah man von der antiquierten Forderung, daß der Roman eine Geschichte zu erzählen habe, ab – und ich war überzeugt, daß die verstaubte Tyrannei dieses Gebots in nicht allzu ferner Zukunft von ihrem Piedestal gestürzt sein würde –, wenn man von dieser vorläufigen Beschränkung absah, dann war im Roman schlechthin alles erlaubt; (…) Mit einem Wort: wie der Raum eine Funktion der ihn erfüllenden Materie war, so erschien die Form des Romans als eine Funktion des ihn erfüllenden Stoffes.“ (S.110) So also der Ich-Erzähler Schirmbecks, der uns allerdings nahegebracht wird in einer grandios erzählten Geschichte mit allerlei äußerer wie innerer Handlung, ohne daß dies in Schirmbecks Textur einen Widerspruch darstellt – ganz im Gegenteil. So viel vorläufig dazu.

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