Selbstmord einer Fliege

Heute geschah nichts dergleichen, gestern jedoch kam ich nicht so ohne weiteres davon. Ebenso wie heute las ich also am gestrigen Morgen in Heinrich Schirmbecks epochalem Roman ‚Ärgert dich dein rechtes Auge‘, als plötzlich eine dieser winzigen Fliegen auf den aufgeschlagenen Seiten landete, sicher kaum größer als zwei Millimeter. Mehrmals lief sie auf ihren kleinen Beinchen hin und her, immer wieder eine Kehrtwende beschreibend, bis sie sich dann plötzlich in die Luft erhob, rasend schnell ging das, und sich in meinen halbvollen Kaffee stürzte. Ich sah hinein und erkannte sofort, es war zu spät. Die Fliege war nur noch ein auf der Oberfläche haftender schwarzer Punkt. Ganz offensichtlich hatte sie Selbstmord begangen. Aber warum? War Liebeskummer der Grund, oder Lebensüberdruß, wurde sie von den anderen Fliegen gemobbt, war sie einsam? Das herauszubekommen ist unmöglich, wir werden es also nie erfahren. Den Kaffee entsorgte ich im Ausguß und machte mir einen neuen. Das Leben geht weiter.

Dieser Beitrag wurde unter NACHRICHTEN aus den PRENZLAUER BERGEN! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten auf Selbstmord einer Fliege