Belanglose Mitteilung

Ich bin nicht plötzlich weniger geworden, nur weil ich seit ’ner Weile weniger auf anderermenschen Weblogs kommentiere oder hier bei mir zuhause womöglich ein wenig weniger schreibe. Schreiben kann man schließlich auch so, daß es am Ende vom Bildschirm auf Papier landet und nicht direkt im Netz. Merken Sie sich das, bevor das Wissen darüber verloren geht! Auch lesen tue ich zurzeit viel, so scheint mir jedenfalls, denn nach einer Phase, in der ich glaubte, nie wieder mich für einen Roman begeistern zu können, liegen hier miteinemmale wieder etliche Romane zum Gelesenwerden herum, von Witold Gombrowicz und Stanislaw Ignacy Witkiewicz und Erich Kästner und Louis-Ferdinand Céline über Peter Handke und Alban Nikolai Herbst bis hin zu Aléa Torik. Dazu kommen die wiederzulesenden Romane und all die Erzählungen von Stifter und Robert Walser und Heinrich Schirmbeck, und sicher werde ich auch gelegentlich mal wieder die neusten Produkte des Literaturnachwuchses kosten, selbst wenn ich mir damit schon so oft den Magen verdorben habe.

Und dann ist da ja noch mein neues Romanprojekt, das sich da so vor mir auftürmt mit all seinen Ideen und zu verarbeitenden Fakten – ein Wächter steht davor, der mich nicht hineinlassen will in den Roman, doch ich werde ihn nicht zu überzeugen suchen, mich doch bittebitte durchzulassen, durchaus nicht, sondern ihn einfach ignorieren – denn dazu ist er da. Bin ich drin im Projekt, was mit diesem Augenblick geschehen ist, muß ich mir klarmachen, daß ich mich, anders als in meinem erst kürzlich abgeschlossenen Romanprojekt, sprachlich auf andere Art und Weise verhalten … darf, ja anders verhalten muß, denn ist der fertiggestellte Roman um 1700 verzeitigt, so ist in dem zu schreibenden das Jahr 1923 und die Jetztzeit plus X die Rahmenzeit. Erstmalig auch werde ich … ha!, das hätten Sie wohl gerne, daß ich hier so aus dem Nähkästchen plaudere, aber nix da, ich entscheide, was ich zum besten gebe und was nicht – schließlich muß ich ja auch die ganze Arbeit verrichten! Letztens hörte ich übrigens wieder den Satz, das nur am Rande, „wenn ich Zeit habe, schreibe ich auch mal einen Roman“, worauf ich ihn, es war ein männlicher Mensch, fragte, was denn besonders das Schreiben von Romanen mit Zeit zu tun hätte und ob denn nicht jede Art Arbeit Zeit bräuchte und dazu dann eben ganz wesentlich Können, Wissen, Ausdauer, Disziplin und so weiter vonnöten wäre. Antwort: keine. Wäre ja so, schob ich noch in das verendende Gespräch nach, als würde ich sagen, wenn ich nur Zeit hätte, dann würde ich endlich mal eine Brücke bauen von, sagen wir mal, Island nach Grönland – termingerecht natürlich. Yippie-yippie-yeah!

 

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