Beruf SCHRIFTLER oder: wo wann bin ich was wie?

Nicht selten und in letzter Zeit wieder öfter werde ich gefragt, was ich denn so mache. Die beste Antwort ist natürlich „nix“ oder „ich arbeite so vor mich hin“ oder auch lakonisch „ich verträume meine Tage“, denn schließlich wußte ich ja schon als Kind auf die Frage, was ich denn mal werden wolle, auch überhaupt nie eine Antwort – dazu fehlte es mir an erwachsenen Vorbildern, an solchen, die mit Überzeugung etwas vorstellten. Es beeindruckte mich tatsächlich nichts von dem, was Erwachsene taten! Auch ihre Sportwagen, Häuser und Swimmingpools machten mir keinen Eindruck, ich spürte nicht die geringste Verbindung zu ihrem Sein und Tun, ich war ganz eigen mit dem Gefühl meiner selbst, meinem schon immer ausgeprägten Selbstbewußtsein, nicht zu verwechseln mit Selbstvertrauen, denn das hatte ich als Kind nur sehr eingeschränkt in bestimmten Bereichen, dem Fußballspielen etwa. Wie leicht also hätte ich auf die Idee verfallen können, ich sei ein Außerirdischer! So weit sollte es nicht kommen, wenn mir auch eines Tages, die Fußgängerzone meiner kleinen Heimatstadt hinunterschlendernd, die Einsicht aufdämmerte, schüchtern noch, diesen Ort verlassen zu können und auch zu dürfen, quasi mit Selbsterlaubnis, um mein eigenes Leben zu leben, bevor ich mich am Ende noch zu einem Zombie entwickelte.

So wurde ich also zu einem Weggeher, und das ist ja auch schon was, denke ich, vor allem weil es mich so zunächst, als dem naheliegendsten Fluchtweg, zur Literatur trieb, in der das Weggehenmüssen seit je her Thema ist. Vielleicht sollte ich nach meinem Tun befragt immer sagen, ich erforsche das Weggehen als literarischen Topos, oder so etwas in der Art, aber wie immer, wenn ich überlege, wie ich in Gesellschaft ein über mein einfaches Dabeisein hinausreichendes klares, sauber formuliertes Bild meiner selbst geben könnte, kann ich mich mit so etwas nicht anfreunden, denn so ganz stimmt nichts von dem, was ich sagen könnte. So ertappe ich und auch die anderen mich dabei, wie ich nicht selten mit einem „An sich“ und „Eigentlich“ meine Sätze beginne oder gar beende. Was für ein DILEMMA das doch ist! Ich kann nicht mal genau sagen, was ich früher mal gewesen sein mag, aus dem Betrieb der bildenden Kunst bin ich raus, so wie auch aus dem des Akademischen, selbst wenn ich nicht aufhöre, irgendwie immer auch noch bildender Künstler und auch Akademiker zu sein, was ich beides ohnehin nie voneinander getrennt habe und auch nie von dem, was man so gemeinhin als die Tätigkeit eines Autors ansieht.

Also, Butter bei die Fische – was machst Du denn so? – Die Frage steht also mal wieder im Raum, mit dem Rücken zur Tür. Flucht unmöglich. Ich druckse herum, gieße mir nach, trinke einen Schluck, lasse mein Leben vor meinem geistigen Auge Revue passieren, stelle bald das Glas auf den Tisch, drehe es sodann mit spitzen Fingern im Uhrzeigersinn, alles natürlich nur, um Zeit zu gewinnen. Schließlich aber schaue ich, Fatalist der ich bin, meinem Gegenüber tief in die Augen, und was soll ich sagen, plötzlich steht mir, wie aus dem Nichts und in aller Klarheit, die richtige Antwort vor Augen. „Ich bin Schriftler“ sage ich, den Kopf ein wenig zur Seite legend, „mit Leib und Seele Schriftler! Nicht mehr und nicht weniger und immer auch schon gewesen!“ (Na also, geht doch!)

 

 

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