Macke weg, Maske runter

Ich hatte bisher nur eine schwerwiegende Macke, mich nämlich für einen sympathischen, verträglichen, humorvollen, nichtmanipulativen und insgesamt nicht aggressiven und damit durchaus angenehmen Zeitgenossen zu halten. Das war mir immer sehr recht und schmeichelte mir ausnehmend, denn natürlich habe ich mir diese Einschätzung selbst vollkommen geglaubt und so alle Zeichen, daß dem womöglich nicht so sein könne, übersehen, sozusagen unterbewußt-vorsätzlich. Aber vorbei! Ich mußte erkennen, es wurde mir klar gemacht, daß dem nun in aller Tatsächlichkeit nicht so ist, so ich nun also ab jetzt ohne Macke und Nettmenschenmaske mein Dasein zu fristen und mich umzustellen habe auf mein wirkliches und tatsächliches Ich, das ja schon immer in mir dräute und ganz im Gegenteil zu meiner bisherigen, oben vermeldeten Einschätzung also eher unverträglich, anmaßend und manipulativ ist, das zu Respektlosigkeiten neigt und insgesamt zu einem ziemlich heftigen Egoismus, ja Egozentrismus. Tja, dachte und denke ich also, gut!, wenn das so ist, ist es eben so – ich fühle mich auch wohl als schwer verträglicher Unsympath, der ich ja schließlich, ich gebe es ja zu, ja doch!, natürlich immer schon war. Punkt. Allerdings möchte ich an dieser Stelle auch darum bitten, mir in der doch notwendigen Umstellungszeit vom Nett- zum Unnettmenschen mit Nachsicht zu begegnen – wenn Sie denn keinen Ärger mit mir bekommen wollen. Oder wollen Sie?

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